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Archiv der Kategorie 'Tanja'

Flugfeld-Träume (I)

11. Oktober 2008

Es ist Samstag. Obwohl schon Mittag, versinkt Frankfurt im Nebel. Es ist nicht kalt, aber die Nebelschwaden hängen so tief hinein in die Häuserschluchten, dass es mich trotzdem fröstelt.

Eine bewegte Woche findet ihr Ende: Am Montag noch Termine in Berlin am laufenden Band. Wieder hatte ich die schriftlichen Hausaufgaben für den Englisch-Unterricht nicht erledigt. Mein Lehrer ignoriert ihr Fehlen stillschweigend, aber ausdrucksstark. Fast hätte ich den Zug nach B. verpasst.

B. im Norden. Natürlich hatten sie im Hotel meinen Wunsch nach spätem Check-out wieder nicht beachtet. Macht nichts - ich kann ja auch noch einmal deutlich sagen, was ich brauche. Manche Dinge davon kann man bestellen - mit den anderen wird es schwieriger ….  Das zeigt sich - und mit fatalen Folgen - schon am nächsten Tag.

 

M. und ich haben nur diese vier Stunden. Nähe, Liebe und Zärtlichkeiten, “eingetaktet” in einen Büroalltag zwischen dienstlichen und privaten Verpflichtungen. Trotzdem ist es wunderschön warm und ganz still. In manchen Momenten macht es mich unsicher, wie sehr M. mich braucht.

Ich selbst verbrauche viel Energie damit nicht loszulassen. Dann, wenn ich ihn brauche, ist er schließlich in seiner Welt gebunden. Er ist meist nicht erreichbar für meine Bedürfnisse. Es ist eine ständige Herausforderungen “Slots” für unsere Zärtlichkeiten zu finden und möglich zu machen. Die Start- und Landebahnen in seinem Leben sind mit langfristigen Flugplanungen der üblichen Fluggesellschaften schon längst am Limit. Und jetzt „das“ – Wir.

Ich spüre sehr deutlich, wie schön diese neue Situation für ihn ist. Wie sehr er dies geniesst. Was da mit uns passiert empfinden wir beide als Sonnenschein, Wärme und Sternenglitzern zugleich. Nordlicht, Ebbe und Flut. Beide spüren wir, wie sehr wir uns danach gesehnt haben. Wie kostbar so ein Gefühl ist. Es ist sehr schön, wie wir uns (leise und laut) geniessen. Es ist wunderschön zu spüren, dass es von Belang ist, wie ich mich fühle. Es ist schön, ihn nach seinem Tag zu fragen, an seinen Themen teilzuhaben, sich auszutauschen. 

In den letzten Jahren habe ich mein Flugfeld von einigem Schrott aus Bruchlandungen frei geräumt. Auf meinen Landebahnen ist wieder richtig gut Platz für Business- wie Privatjets :o). Die Slots für die Business-Flieger sind gut gebucht. Sie tragen ihren Teil dazu bei, dass es rings herum prosperiert.

Wenn es still wird an den Abenden, den Wochenenden, und wenn der Himmel voll ist mit Ferienfliegern - dann spüre ich die Stille und eine Leere manchmal sehr deutlich. Ich mag keine Lichter anzünden auf dem Rollfeld, damit irgendwelche Maschinen landen mögen. Womöglich mit Mannschaft und Fracht, die mir außer Zerstreuung nichts bedeutet. Ich bin ohnehin nicht gut im Zerstreuen. Ich mag eher das Gefühl, zu einem Netz von gut sortierten Regionen zu gehören, die mit einander rechnen, sich bewusst für ein Miteinander entscheiden, sich gemeinsam entwickeln - auf einander setzen. Sich etwas zu bieten haben, sich gemeinsam mit dem versorgen, was satt macht. Satt macht mit Sinn, Kraft, Anregung, Attraktivität - mit innerer und äußerer Nähe, dem Gefühl von Geborgenheit, mit Berühren und Zärtlichkeit. Seit ich wieder fühle wie mich das satt macht, empfinde ich das Fehlen besonders scherzhaft. Schlimm, wenn ich dann Kekse in die Hände bekomme. 

Manchmal kann es mir nicht genug Zuspruch und Zärtlichkeit sein. Gleichzeitig bin ich immer auf der Hut den Moment nicht zu verpassen; wenn es (er) seiner eigenen Wege geht. Wo ich doch noch gar nicht ankommen und satt werden konnte. Erst im Moment danach zu bemerken, dass es (er?) unsere / meine Lebenssphäre schon verlassen hat - davor habe ich wohl am meisten Angst. Also versuche ich, die Dinge in Griff zu behalten. Ich versuche permanent, das Heft des Handels in den Händen zu behalten, meine Welt zu beherrschen.



Flugfeld-Träume (II)

11. Oktober 2008

Das hat M. zu spüren bekommen.

Ich hatte das Gefühl, er wurde nicht satt an diesem Tag. Er erwartete sich wohl noch mehr, erwartete es von mir. Das setzte mich unter Druck. Das wollte ich nicht zulassen. Zudem war unsere Zeit limitiert, denn bald würde die Putzkolonne an die Tür klopfen. Bei aller Souveränität bleibt doch das Gefühl das Hotel zum Stundenhotel zu machen.

Von einem Moment auf den anderen liegt es wie Mehltau auf dem Gefühl der Zweisamkeit. Ich hoffte darauf, dass M. mich einhüllen könnte in liebe Worte, Komplimente, Zeichen der Aufmerksamkeit. Ich brauche, dass er mich damit stark macht gegen solche Momente. ER aber schweigt, braucht wohl selbst Zuwendung. Ich suche nach Begründungen, warum ich “brauchen darf”. Aus seiner Sicht rechne ich auf. Er igelt sich ein, verweigert. Ich fühle mich frierend und hungrig.

Dagegen rüste ich mich - wechsle in den Aufbruch-Modus. Ich stehe nun im Business-Look und geschminkt (meine Rüstung?) im Flur - er noch nackt und verletzbar. Aber wie oft ist ER es, der rechtzeitig aufbrechen will und muss. Diesmal war ich einfach nur schneller? Er schafft es nicht, mich noch einmal einzuhüllen, mir Sicherheit zu geben, dass er mich liebt. Dass unser Treffen mit Stundenhotel nichts zu tun hat. Dass wir uns beide etwas anderes wünschen und vorstellen können. Ich schaffe es auch nicht.

Ich mache mich “groß und stark” - er macht sich in den darauf folgenden Tagen eher kleiner. Er macht mir auch Vorwürfe. Er ist schließlich müde, er hat schließlich Stress, denn er hat so viele Welten auf einander abzustimmen - Vielleicht wäre „das alles“ ja „eine Nummer zu groß“ für ihn. Das macht es nur noch schlimmer für mich. Bei mir herrscht ALARM, besonders bei den letzten Worten.  

Es braucht einige Tage, bis wieder eine gewisse Lockerheit und Unbefangenheit einzieht in unsere Telefonate. Bis wir wieder lachen können miteinander, scherzen und die nächsten Treffen planen.

In dieser angespannten, ausgefüllten Woche schaffe ich es, von ganz im Norden ganz in den Süden des Landes zu reisen, einen Workshop mit Kunden zu halten und gleich anschließend noch drei Tage in Frankfurt zu arbeiten. Sicheres Terrain eben? 

Berlin werde ich an diesem Samstag noch vor dem Abend erreichen. Im Zug dorthin könnte ich noch einen Posten Prüfungsarbeiten korrigieren und endlich die x-te Überarbeitungsanforderung eines Fachartikels erledigen. Dann wird mein „Flugfeld“ wieder einmal frei geräumt sejn. Wenn ich Glück habe, wird sogar die Herbstsonne noch die Farben leuchten lassen. 

Ich werde mich wohl trotzdem unter dem weiten Himmel über dem Flugfeld klein fühlen - und frieren.  

Solange bis ich wieder irgendetwas auf die Beine stellen werde, was mich davon ablenkt. Mich davon ablenkt, dass er sich bei meinem Flugfeld eben vorwiegend um einen Business-Hub handelt. Dass auch gelegentliche liebe gegenseitige Besuche aus befreundeten Regionen das nicht ändern werden.

Dass ich vielleicht sogar Angst davor habe, WAS sich dann ändern könnte. Schließlich würde ich dann die so mühsam erlangte Souveränität aufgeben, wieder Risiken eingehen müssen.

Ich versuche zu realisieren, dass ich allein dafür verantwortlich bin, wie ich mich unter MEINEM Himmel, auf MEINEM Flugfeld fühle. Das kann nur ICH ändern. Das MUSS ich allein ändern. Nur ICH kann entscheiden, ob und welche Risiken ich eingehen mag.

Das größte Risiko derzeit wäre wohl – Nähe zulassen und loslassen lernen …einen Teil der Kontrolle an das „Abenteuer Leben :o)“ abzugeben und die Angst zu überwinden, was mit mir passiert, wenn ich mich einlasse: auf einen Menschen, eine Lebenssituation. Eine Situation, die eben auch entscheidend von anderen Welten mitbestimmt sein wird. Wie viel davon soll ich zulassen ohne mich aufzugeben, ohne in eine Fremdbestimmung hinein zu rutschen?



Mama: wieder Lieben-lernen :o)

11. Oktober 2008

Ende September 2008Hallo mein Spatzenkind, mein Adlermädchen.
Ruf mich mal wieder an :o))

Ich sitze im Zug. Die Strecke von FFM nach H. bin ich noch gemeinsam mit M. gefahren. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man doch in unserem Alter schon sehr eingefahren und besonders ist und dass es schwierig ist, sich so ganz auf einen anderen Menschen einzulassen. Es sollte ja “belastbar” sein für einen neuen Lebensabschnitt.

Ich merke schon, dass M. sehr ausgeprägt ist in seinen Ansichten, Sichtweisen und Verhaltensweisen. Ich bin ja eher so ein “strategischer Denker”, sehe eher die Brückenbogen. Er ist eher ein “Bastler”, sieht lauter-lauter Details, verliert sich manchmal darin. Er ist ein Daten-Junkie! Ich eher ein Daten-Verwerter.

Aber diesmal hatten wir endlich auch einmal mehr Zeit für Ruhe. Es hat uns beiden sehr gut getan, einfach Zeit “vergehen zu lassen”, sich einfach nur zu unterhalten, sich anzulehnen und zu erzählen. Ohne etwas organisieren oder entscheiden zu müssen. Wir haben sogar Teil der viertägigen Konferenz geschwänzt dafür. Wir haben viel Zeit damit verbracht miteinander leise zu sein.

M. hat mich mit interessanten Leuten zusammengebracht. Er hat seinerseits auch von meiner Leichtigkeit und Erfahrung im Umgang mit Leuten profitiert. Es war wirklich ein ganz unaufgeregtes Geben und Nehmen und hat uns ganz entspannt sein lassen. Offiziell habe ich ja bei Bekannten in der Stadt üebrnachtet. Stell Dir meine Angst gesehen zu werden vor, als es eines Nachts Feueralarm gab und wir uns auf einem Sammelplatz einfinden mussten :o)

M. macht sich ernsthafte Gedanken. Unsere Begegnung hat wohl auch deshalb im Mai stattfinden können, weil er sich für sich allein bereits mit den Gedanken beschäftigt hat, dass es ihm zuhause nicht gut geht. Jetzt sieht er, dass es auch andere Gefühle geben kann und wird mutiger für sich einzustehen. Er hat mir von seinen Ängsten erzählt, ob ich denn auch zu ihm ziehen würde. Er beschäftigt sich also auch mit diesen Gedanken.

Ich habe ihm von meiner Angst erzählt, dass seine Töchter ihn “aussperren” würden, wenn sie von uns wüssten. Er hat solche Befürchtungen nicht, denn sie würden die Probleme seit mehr als zehn Jahren sehen. Und sie würden auch wollen, dass es ihm gut geht.

Ich weiß manchmal nicht, was ich will. Ich habe Angst, dass es mit uns klappen m u s s , wenn er schon so wichtige Schritte geht … und diese Verantwortung will ich eigentlich (nicht wieder) übernehmen müssen. Ich sehe ja auch, wie speziell jeder von uns beiden ist und seine Macken hat. Beruflich wäre B. eigentlich kein Hindernis für mich. Eine Wohnung in Berlin würde ich trotzdem in jedem Falle kaufen.

Und dann … geht es mir doch richtig gut bei den Gedanken an ihn und an Gemeinsames. Ich war in diesen Tag ganz entspannt. Ich konnte richtig schön loslassen in diesem relativen “Alltag” mit ihm.

Ich habe natürlich auch so meine Ängste, ob ich einen anderen Menschen noch jeden Tag so nah neben mir haben kann. Ob ich nicht zickig werden würde, ihn dann verletzen könnte. Ich habe Angst, ob er mir nicht zu sehr der “Bastler” sein könnte - und ich dann enttäuscht wäre, wenn die Welt für ihn deutlich kleinteiliger sein könnte als ich das von mir glaube. Ich mag es ja, wenn Leute “den großen Bogen denken” können. Aber vielleicht sträube ich mich einfach nur dagegen loszulassen, zu vertrauen, mich abhängig zu machen in meinen Gefühlen - eben eine Beziehung einzugehen.

Und er? Schwänzt den Kongreß, schnappt sich ja auch einfach meine Hand und sucht mit mir in D. den Weg zur sehr bekannten russischen Kirche, wollte sogar noch den Stadtpark entdecken. Anstatt Konferenz. Ich hätte keine Lust darauf gehabt, ehrlich. Seine Neugier ist richtig gut für mich.

Du siehst, Deine Mama macht sich ernsthaft auf den Weg in einen neue Gedankenwelt :o))



“Diversity” und amerikanische Krimi-Serien

19. Januar 2008

Der Zug trägt mich durch Thüringen – bis Berlin sind es noch drei Stunden. Die Prüfungen der letzten Tage waren anstrengend, aber auch sehr interessant. Auf dem Weg nach München hinein habe ich es noch geschafft, in „meinem“ BARTU-Outlet am Karlsplatz vorbei zu schauen. Ein paar sportliche Lacklederstiefel in beigen changierenden Tönen und ein Paar violette bestickte Highheels mussten mit – das zweite Paar (rot schimmernde) Lacklederstiefel gab es wegen des Räumungsverkaufs gratis dazu.

Ich war schon ganz traurig, dass das Geschäft aufgelöst wird, aber es gibt eine neue Adresse am Bahnhof. Ob sich das auf die Preise auswirken wird? Morgen fliegen definitiv zwei Paar alte Stiefelpaare raus aus meinem Schuhschrank :o)

Die Hälfte der Reisezeit ist um, einer der beiden Prüfungstermine der nächsten Woche ist inzwischen vorbereitet, zum Mittag gab es Curry-Wurst am Platz. Auch Kekse und Konfekt habe ich – wider besseres Wissen, dass mir danach der Bauch aufgeht und ich mich nicht wohl fühlen werde – verdrückt. Nebenan sitzt Richard von Weizäcker. Er ist jetzt ein lieber, etwas schrumpeliger „Opa“. Draußen ist es ungemütlich. Ich freue mich auf mein Zuhause. Morgen könnte ich doch zuhause bleiben – es ist schließlich Sonntag! Ich könnte den ganzen Tag Zeitungen lesen, Tee trinken, im Internet surfen …TV sehen.

Der Sonntagabend ist meine Krimizeit. Ich schaue zwar gern den „Tatort“ – der ist durchaus anspruchsvoll. Aber dann wähle ich doch wieder die amerikanischen Serien.

Es beginnt mit „Navi CIS“.  Alex lacht mich immer aus, denn ich „stehe“ auf Gibs! Der ist Ende fünfzig, wahnsinnig klug und erfahren, militärisch-sportlich und irgendwie gleichzeitig leger dabei … er führt ein Team, dem auf der Stirn „Diversity“ geschrieben steht. Das ist dann letztlich für Gibs der Schlüssel zum Erfolg! Am meisten nimmt mich wohl diese Mischung aus Team-Leader und einsamem (eigentlich empfindsamen) Wolf für sich ein. Und er ist sooo sexy dabei :o).

Himmel, was bin ich einfach gestrickt!! Na ja, ich habe mich schon „entwickelt“ – vor Jahren schwärmte ich noch für den jungen Kampfjet-Piloten aus „JAG – Eine Frage der Ehre“. Der hat immer so schön die Welt gerettet und für Gerechtigkeit gesorgt - und seine Liebe zu Maeggi (hiess sie so?) verdrängt.

Dann geht es weiter mit „Criminal Minds“. Diesmal ist es ein Team von Profilern des FBI, die meist Serienmördern auf der Spur sind. Der Chef ist diesmal ein verwittertes, zerknittertes Gesicht Ende fünfzig. Warmherzig, mit Holzfällerhemd, Jeans oder Cordhose, eine Stimme wie Moos (jedenfalls in der Synchronisation). Hier sind alle noch mehr Intellektuelle als im flippigen Team von Gibs, Eigenbrötler sogar. Aber er versteht es, die besten Eigenschaften des Teams auf eine Aufgabe hin auszurichten, die nur gelöst wird, weil alle die Menschen genau so besonders und einzigartig sind. Hoch leben solche Werte wie „Wissen / Bildung“, „Denken / gegen den Strich denken (lernen)“, in genau dieser „Diversity“ Sinn machen und gebraucht werden. Zu einander stehen, sich auf den anderen verlassen können. Jeder findet mit seiner speziellen Kompetenz seinen Platz im Team, auf das alle anderen (die Welt) zählen!

Überall geht es scheinbar darum, Spitzenleistungen im seinem Job zu bringen, sich hineinzuknien mit Herz und Verstand, Sinn zu machen in seiner ganz besonderen Denkweise und Lebensart, sich zu finden im Team und nur so die schwierigsten Aufgaben zu lösen. Erst dann macht Leben einen höheren Sinn.

Wenn dann noch eine Vaterfigur dazu kommt – dann kann die Gruppe zulassen, wie die Anspannung sich am Ende des Tages legt und im Learjet in den Sonnenuntergang verschwinden …

Da sind sie wieder, alle meine Themen …


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Was Manhattan mit Glück zu tun hat

12. Januar 2008

Ein ganz besonderer Tag … ich habe die Rahmen meines zukünftigen Beratervertrages verhandelt.  

Die Beratungsfirma gewinnt eine gut vernetzte Fachfrau und gestandenes „Weibsbild“ für vertriebliche Zwecke, eine Entwicklerin von Konzepten / Sparringspartnerin für die interne Produktentwicklung und eine Trainerin. Ich gewinne eine Firma, die sich auf dem Unternehmens-Beratungsmarkt in attraktiven, feinen Nischen etablieren will und expandiert.   

Sie kann mir ein potenter Auftraggeber und sogar Arbeitgeber werden, meinem Faible für Strategisches / Konzeptionelles Raum geben kann und das gute Gefühl mit meinem Wissen, Können, meiner inzwischen angesammelten Erfahrung und meinem oft sehr persönlichen Engagement gefragt zu sein sowie irgendwo ein dienstliches Zuhause zu haben. Es ist mir wichtig, dass dies eine moderne Firma ist – mitten in Berlin. Inmitten Europas? Es passt, „zur Arbeit“ dorthin in High Heels und Hut zu erscheinen. Na ja, so ein bisschen Manhattan-Feeling. Wie schreibt man das? Ich muss unbedingt mal hin dort und prüfen, wie sich das dort anfühlt :o)) 

Heute haben wir also verhandelt - Herausgekommen sind strukturierte Rahmen für alle drei Betätigungsfelder Vertrieb, Beratung und Seminarumsetzung. Es bedeutet mir zusätzliche wirtschaftliche Sicherheit, fachliche Herausforderung und die Möglichkeit, mich weiter zu entwickelt, Das macht mich sehr stolz 

Als ich 2000 von München nach Berlin zog und für das zentrale Projektmanagement einer Vorgänger-Firma der Phönix AG übernahm, stellte mir die Firma Mittel für einen Führungskräfte- und Projektmanagement-Coach zur Verfügung. Als die Gelder ausliefen, hatte ich sein Coaching so weit schätzen gelernt, dass ich es privat weiter finanziert habe. Er tat mir gut, meinen Alltag mit einem Mann – einem älteren, wissenden, erfahrenen – zu reflektieren und in einem geschützten Raum kritisch zu hinterfragen. Natürlich bin ich eine Herausforderung für einen Coach. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass dies ein eigener Wert ist. Ich habe diese Zusammenarbeit als sehr persönlich und doch mit professionelle Distanz – ohne Fraternisierung empfunden. Ich war dankbar um die Grenzen, die er setzte. Das war wohl auch das „Geheimnis“. Manches, was ich über mich herausgefunden habe, hat mir weh getan. Es hat meinen Blick geschärft. Er hat es mir nicht leicht gemacht, weil ich mir ziemlich viel allein und ehrlich selbst erarbeiten musste. Aber, dass wollte ich ja eigentlich auch so. Wir haben auch oft gelacht. Aufgeräumt und ermutigt habe ich mich nach jedem! Termin gefühlt.  

In den letzten Wochen haben wir eine ganz andere Art der Zusammenarbeit gewagt und gemeinsam einen Fachartikel entwickelt. Ich bewundere sein Wissen, vor allem was Soziologie und systemisches Denken betrifft – mein strukturiertes Denken wiederum hilft offensichtlich die Dinge in ein System zu bringen, zu vereinfachen und verständlich zu formulieren. Auch bei dieser Art von Arbeit haben gemerkt, wie gut wir uns ergänzen. Denken ist verdammt anstrengend. Und: Denken ist sexy!, habe ich nicht nur einmal gedacht.  

Heute hat er mit mir und seinem Chef die Rahmen für eine neue Art von Zusammenarbeit verhandelt. Auf sein Coaching werde ich ab jetzt verzichten müssen.  

Alles hat seine Zeit. Veränderung ist Chance! … alles solche Sprüche. Es tut verdammt gut erfahren und zu spüren!, dass etwas bleibt, sich entwickelt – über den Tag hinaus und auch unter veränderten Bedingungen trägt. Vielleicht sogar gerade dann. Wir freuen uns beide sichtlich auf diese neue Qualität der Arbeit.  

„Letztlich sind es immer die Beziehungen zu Menschen, die dem Leben den Wert geben“. Wilhelm von Humboldt

Ich habe wirklich Glück – Glück vor allem mit Menschen!!

Glück vielleicht auch mit mir? Auf jeden Fall komme ich Stück für Stück weiter im Sehen-lernen :o)

           



Katzen-Schlaf

9. Januar 2008

Ich kehre erst spät am Abend – beinahe um Mitternacht – von einer anstrengenden Dienstreise heim nach Berlin. Kurz vor dem Einschlafen fällt mir auf, dass ich mich ja schon am nächsten Tag wieder auf den Weg machen muss in die nächste Stadt. Es würde nur der Vormittag für das Büro bleiben. Ich stelle den Wecker und kuschle mit den Katzen.

Der kleine Felix ist so verschmust, dass er mich nicht zur Ruhe kommen lässt: Immer wieder drängt er in meine Arme, stupst mich mit seiner kleinen nassen Nase ins Gesicht und am Hals, zupft an meinen Ohren. Nur mit Mühe halte ich ihn davon ab, immer wieder mein Gesicht abzuschlecken. Die kleine Zunge ist rau – sie schmerzt sogar auf den Augenlidern. Man kann ihm einfach kaum widerstehen.   Wenn er endlich die richtige Lage in meinen Armen halb unter der Bettdecke gefunden hat, schließter genüsslich die Agen, schnurrt vernehmlich und andauernd. Ein kleiner Seufzer entfährt ihm in dem Moment, wenn er einschläft. Dann erlebt er Abenteuer in seinen Katerträumen: Seine Pfötchen zucken, er stöhnt und seufzt – ich streichle ihm über das Näschen, kraule und streichle ihn, wie er so in meinem rechten Arm liegt.

Auf der Bettdecke zu meinen Füßen hat es sich Katze Fine gemütlich gemacht. Felix scheucht sie den halben Tag durch die Wohnung. Man kommt gar nicht dazu Fine zu bürsten und zu kraulen – ständig drängelt er sich dazwischen. Aber kaum schließt man ihn aus dem Bad aus, um sich mal ganz Fine widmen zu können, mauzt sie und wartet an der Tür darauf, dass man ihn wieder herein lässt. Es ist ein wunderschönes, friedliches Bild, wenn sie sich beide aneinander schmiegen, sich gegenseitig putzen und zusammengerollt im Sessel schlafen. Manchmal will aber auch Fine mal ungestört sein: Sie springt dann auf den Schrank. Seine Versuche, ihr dahin zu folgen, enden noch mit Abstürzen. Er mauzt dann und trollt sich – Noch! 

Ich kann mich in meinem eigenen Bett kaum bewegen.

Mir streben nacheinander Arme und Beine ab.

Und trotzdem ist es ein schönes Gefühl.  

Wie andere mich früher als junge Mutter genervt haben mit „Windel-Gesprächen“, erzähle ich jetzt gefragt und ungefragt bei jeder Gelegenheit von meinen Katzen. Werde ich jetzt alt – so eine spinnerte Hexe mit ihren Katzen?? Und das mit 47 Jahren?

Erwarten werden sie mich an den Abenden wohl nicht - höchstens als “Dosenöffner”.
Es tut mir aber sehr gut, wenn sie beide mich nach den Dienstreisen zuhause begrüßen.



Mein Jahresrückblick 2007

2. Januar 2008

Dieses Jahr war für mich von grundlegenden Veränderungen, Abenteuern sowie damit verbundenen Emotionen geprägt. Das war so zu Beginn des Jahres nicht abzusehen. Umso mehr freue ich mich, dass sich diese Veränderungen relativ schnell als Chancen erwiesen haben. 

Töchterchen: Das Studium an der FH bereitet ihr immer noch Spaß. Zu Beginn des Jahres hatte sie die Chance genutzt, ein Praktikum in Barcelona zu absolvieren. Jetzt kam die tolle Nachricht, dass sie das Fulbright-Stipendium erhalten hat und das nächste Studienjahr an der George Mason University in den USA absolviert. 

Sprachendienst GmbH: In diesem Jahr wird unsere Firma erstmalig einen Umsatz von 500.000€ erreichen. Die Kunden beauftragen uns zunehmend mit der gesamten sprachlichen Betreuung ihrer Projekte. Stolz sind wir auch auf unsere gute Zusammenarbeit als Gesellschafter.

Berufliche Um-Orientierung: Kurzfristig ergab sich Mitte des Jahres die Möglichkeit und die Notwendigkeit, den Arbeitsvertrag mit der Phönix AG nach sieben Jahren aufzulösen.Ab Januar werde ich selbständig tätig sein. Zu meiner Freude haben sich für 2008 bereits anspruchsvolle Projekte ergeben, von denen ich auch leben kann. Mein Büro in der Mitte Berlins ist mir eine verlässliche Basis für neue berufliche Unternehmungen.  

Sport & Reisen & Kultur: Barcelona, ein menschenleerer Strand in Andalusien, Irland, Detroit / Chicago, Bamberg, Bremen oder München, dazu eine Reihe von Ausstellungen: Manchmal führen Dinge einen zunächst weit weg, im Grunde aber führen sie einen zu sich selbst. Das zu sehen war eine der Chancen dieses Jahres. 

Meine Oma wurde in diesem Jahr 100, meine Mama 70, Töchterchen 21 und mein kleiner Neffe 1 Jahr alt. Katze Fine hat mit Katerchen Felix einen Spielkameraden bekommen und ist nicht mehr einsam, wenn ich auf Dienstreisen bin.  Bis zu meinem 50. Geburtstag verbleiben zwei Jahre :o). 

Ich bin sehr angetan davon, Dinge erleben und tun zu können, weil ich sie gern mit DIESEN Verwandten, Freunden und Kollegen erleben und tun mag. Dies ist für mich die wichtigste der genutzten Chancen aus 2007! 

Ich bedanke mich herzlich für Freundschaft, Anteilnahme und Kollegialität, die mir dabei ein großes Geschenk waren. Ein besinnliches Weihnachtsfest und Alles Gute für 2008!



Förderer und Beschädiger

13. Dezember 2007

Er hat mich in den letzten sechs-sieben Jahren ermutigt, mein nebenberufliches Engagement stark beeinflusst – mich ganz aktiv gefördert. Auf seine Anregung hin habe ich mich an die Zertifizierung gewagt und mit seiner Ermutigung durchgestanden, habe mich erfolgreich um Aufnahme in das Team bemüht, das mir jetzt ein fester Ankerplatz in meiner zukünftigen selbständigen Tätigkeit gewährleistet. Mit seiner Hilfe habe ich manches besser verstanden, was manchmal “hinter den Kulisssen” passiert. Er hat mir bereitwillig und ganz praktisch ausgeholfen, indem er mir seine Vorlesungs- und Prüfungsvorbereitungen zur Verfügung gestellt hat für meine eigenen Lehrveranstaltungen. Auch heute noch lerne ich gern von ihm, wie man manche Fragen operativ elegant, ohne Aufregung und zeitsparend erledigen kann. Ich war ihm dankbar für sein Vertrauen in mich. Und ich bin ihm dankbar für seinen Weitblick, denn kaum hatte ich die Berufung in unser Team geschafft, weckte er in mir die Idee eine Professur anzustreben. 

Ich habe ihm das gedankt, indem ich gute Arbeit leiste und ihm meine Dankbarkeit gern zeige. Zwischenzeitlich musste ich mich seiner verdeckten und auch eindeutigen Avancen erwehren. Das hat er zu meiner Erleichterung relativ schnell abgestellt. 

Ich weiß nicht, wann genau die Veränderungen in seinem / unserem Verhalten begannen. Natürlich fällt mir auf, dass er sich gern reden – am liebsten, wenn er über sich selbst und seine Projekte; Kontakte und seine Wahrnehmung zu den Kollegen in unserem Team redet. Auch wenn ich die Dinge oft in Wiederholung höre, zeugen sie doch von viel Erfahrung, bringen Anregung. In der letzten Zeit hatte ich auch das Gefühl, dass er die Teilnehmer bei unseren Einsätzen zunehmend belehrt. Jemand beschreibt das Projektgeschehen im Automobilsektor – er weiß, was da läuft! Jemand spricht von der Pharmaindustrie – er hat dort den Durchblick! Anlagenbau? – dort hat er dem Management vieler Projekte auch schon auf die Sprünge geholfen …  Diese Dinge erinnern mich immer mehr an meinen Vater. Unter uns vier Kindern kursiert so eine Art Witz: Schiffsthemen – jahrelang selbst Schiff gewesen! Managementthemen – jahrelang selbst Management gewesen!  „Blindflansch? – jahrelang selbst Blindflansch gewesen!! Was ein Blindflansch ist? Ein totes Ende eines Rohrs … Ich habe mich sehr lange in diesem System an Anreiz und Verletzungen gefangen halten lassen. Erst als mein Vater begann, meine Tochter in ähnliche Mechanismen hinein zu ziehen, konnte ich Position beziehen, Übergriffen etwas entgegenzusetzen, seine Einflusspotenziale deutlich einzugrenzen, meine Tochter zu schützen fiel mir leicht – mich zu schützen, fällt mir heute noch schwer. Inzwischen fährt mein Kollege mir rüde über den Mund – auch wenn das meistens noch im eigenen kleinen Kreis bleibt. Noch, denn beim letzten Einsatz passierte dies schon vor einem Beisitzer. Als ich ihn unter vier Augen darauf hinweis, platzierte er eine Retourkutsche zu einem anderen Thema … 

Tonfall und Wortwahl werden dazu zunehmend rüder. 
Gestern rief er mich nach einem Einsatz aus dem Zug noch einmal im Hotel an. Ich hatte einen Fehler bei der Bereitstellungen unserer Dokumente begangen. Es war nichts Existenzielles, aber es war mir peinlich, zumal mir die Zusammenhänge überhaupt nicht bewusst waren. Umso überraschter war ich über seinen Vorwurf, dass ich zwar eine große Schnauze haben würde, aber diese primitiven Dinge nicht beherrschen würde. Zunächst glaubte ich mich verhört zu haben und fragte naiv nach, ob er mir wirklich ein „großes Maul“ attestiert hätte. Er wiederholte es laut und deutlich noch einmal. 

Ich war geschockt und beendete das Gespräch bei der nächsten Gelegenheit.   Wie sich die Bilder gleichen.Ich habe auch meinen Vater als meinen weitsichtigen Förderer empfunden. Sein Vertrauen in mich war mir viele Jahre Ansporn - und Leimrute wohl auch. Irgendwann kippte diese Verhältnis um, wurde der Ton rüde und die Ansagen persönlich verletzend. Hat das etwas mit der Angst zu tun, Macht einzubüßen, weil der kleinere Partner erwachsen wird? Hat das mit  zunehmender Stärke auf meiner Seite des Verhältnisses zu tun? Entstehen solche Probleme, wenn man sich abnabelt und eigene Vorstellungen entwickelt? Aber kann man sich nicht abnabeln - und der andere bleibt trotzdem der größere respektierte Partner? Und benimmt sich auch so? Ist das Wut, die den anderen verletzen will?  Ich muss über kurz oder lang einen Weg finden, damit umzugehen. Ich will mich gegen solche persönlichen Angriffe schützen! Auf keinen Fall darf ich mich in die Opferrolle einer Beschädigten drängen und mir so viel gefallen lassen! Wie ich das angehen werde, will gut überlegt sein. Vielleicht sollte ich mich dazu mit ein paar Leute beraten.



Drachen in den Rachen schauen

22. Oktober 2007

Über Nacht ist der Frost hereingebrochen. Der Wecker reisst mich aus dem Schalf - noch ist alles dunkel.
Die Wohnung ist aufgeräumt, Auf dem Küchentisch liegen die OP-Unterlagen in Kopie und eine Vorsorgevollmacht auf den Namen meiner Tochter und meines älteren Bruders. Auch die Telefonnummer eines befreundeten Arztes. Für Fine ist auch gesorgt - diesmal bringe ich sie nicht an einen fremden Ort, sondern habe den täglichen Kraulbesuch für sie organisiert.

Im Koffer: ein wenig Wäsche, ein paar Bücher. Den meisten Platz nehmen technische Geräte ein: Laptop, Handy, Blackberry und die entsprechenden Ladestationen. Ich umgebe mich mit vertrauten Sachen, bevor ich in den Krieg ziehe mit dem Drachen. Die Autoscheiben sind zugefroren. Es ist kalt. Beim Eiskratzen wird mir wenigstens etwas warm. Der Weg zur Drachenhöhle führt die bekannten, vertrauten Wege entlang in den Norden der Stadt. Die Sonne geht auf und verspricht einen kalten, klaren Herbstmorgen. In der Gegenrichtung ist der Stau unendlich - für mich aber ist die Straße frei.

Auch im Klinikum ist noch alles leer. Es wurde erst vor drei Monaten eröffnet und wirkt eher wie ein Hotel. Das tut gut. Auch die Leute sind sehr freundlich und entgegenkommend. Bei der Einweisung scherze ich herum. Die ältere Frau in meinem Zimmer wartet auf eine Bestrahlung und Chemotherapie. Mir ist nicht nach Schmalltalk, was sie wohl gut verstehen kann. Der Parkplatz kostet 5€ am Tag, die Miete für das Telefon auf dem Zimmer 2€. Die Handtücher habe ich vergessen. Nach ein-zwei Aufnahmeprozeduren bleibt mir nichts mehr zu tun. Eigentlich könnte ich mich noch einmal ins Auto setzen und den Tag im Büro verbringen. Ich beschließe zu bleiben. Schnell sind die Sachen in den Schrank einsortiert, noch vor dem Mittagessen stopfe ich Kekse in mich hinein … dann ist mir schlecht.

Ich beschließe spazieren zu gehen. Der ganze Komplex ist eine Krankenhausstadt aus dem 19. Jahrhundert - die roten Backsteingebäude und die hernstlichen Parks verströmen eine Atmosphäre von Vertrauen und beruhigen. Man hat alles sehr liebevoll restauriert hier. Ich verlasse den Komplex auf der Rückseite … ich weiß, was mich dort erwartet. Die Seitenstraße heisst nach G., einer meiner großen Liebe(n) :o) Natürlich heisst sie in Wirklichkeit nach seinem Großvater. Um den Weg nach links einzuschlagen, reicht die Kraft nicht - dort wohnen meine zukünftigen Ex-Schwiegereltern. Sie wohnen in der Wohnung, die wir für sie gekauft hatten in der Münchner Zeit. Sie sollten es im Bedarfsfall nicht weit in eine Klinik haben und sich sicher fühlen. Nun liege ICH hier. 20 Jahren Ehe lang habe ich gekämpft, dass sie mich akzeptieren. Nach der Trennung gehört die Wohnung (und der dazugehörige Kredit) nun N. - Ich bin froh darüber. Da bereite ich mich nun gedanklich drauf vor loszulassen … und bin umgeben von den zwei Lieben meines Lebens … Ironie des Schicksals.

Mutig stapfe ich über die Wege und durch die Parks, schaue kurz in alle Kliniken hinein - verschaffe mir einen Überblick. Leider ist der Flyer zum Historischen Spaziergang durch die Krankenhausstadt aus. Ich hätte doch glatt noch einen Spaziergang gebucht. Zum Ausgleich bestelle ich am Abend im Buchladen des Klinikums noch ein Buch zur Gegend hier. Per SMS melde ich mich bei allen ab. Danach steht das Telefon nicht still. Das tut gut.

Hey, Drache. Hier stehe ich und habe keine Angst vor Dir. Sperr´ auf Deinen Rachen - jetzt werden die Zähne durchgezählt! Wenn ich Dich jetzt kenne, bist Du ohnehin nur noch halb so schrecklich. Ätsch!   



Ehe futsch, Job weg – und jetzt Klimakterium??

27. Juli 2007

In den letzten Tagen wird mir oft abwechselnd heiß und kalt. Nach dem letzten Besuch beim Frauenarzt habe ich die Pillen weggeworfen. Ich bin in den letzten Wochen viel gereist und in den Zügen war es oft sehr kalt. Vielleicht ist es ja aber auch nur eine Erkältung? 

Meine langjährige Frauenärztin ist kürzlich von der Krankenkasse in Rente geschickt worden. Die Praxis hat eine Ärztin in meinem Alter übernommen, die bisher im Klinikum B, operierte. Nach der turnusmäßigen Ultraschalluntersuchung hat sie eine Faust geballt … so groß wäre das Miom in meinem Körper, welches – zusammen mit drei weiteren kleineren an meiner Gebährmutter sitzen würde. Zwischen 7 und 9 cm groß! Die frühere Ärztin hatte kein Problem darin gesehen. Schon bei den Untersuchungen vor der Blinddarm-OP vor zwei Jahren hatte allerdings eine Ärztin ganz erstaunt dreingesehen und mir die Adresse einer Miom-Sprechstunde förmlich aufgedrängelt.

Der drastische Vergleich mit der Faust war es, der mich schockierte an diesem Tag – an dem Tag, an dem mir kurz vorher der “Halbleiter-Personaler” in der Phönix AG wie nebenbei nachdrücklich empfahl, mein Glück doch außerhalb der Firma zu suchen. 

Im Herbst würden die neuen Räumlichkeiten in der Klinik zur Verfügung stehen und sie könnte mich operieren. Bei der Gelegenheit könnte sie auch gleich die Gebährmutter selbst entfernen – diese würde ja ohnehin nicht mehr benötigt.

Plötzlich habe ich mich alt gefühlt – 47 lange Jahre ur-alt. Da war etwas plötzlich End-lich. Manchmal kann ich dieses faustgroße Etwas in mir spüren. Das kann ich eigentlich schon länger – ich habe es nur nicht mit dem Miom in Verbindung gebracht. 

Saschas Geburt war in meiner Erinnerung problemlos verlaufen. Sie war ein Wunschkind – so sehr erwartet. Und die Geburt habe ich eher als Abenteuer erlebt. Zwischen den Wehen und den kleinen Ohnmachten hatte ich fühlen können, wie sie auf meiner Wirbelsäule entlang glitt in ihr eigenes neues kleines Leben.  Nie war ich so DA, so SINNVOLL wie in der ersten Zeit als junge Mama. Ich war alles, was das kleine Wesen brauchte – und ich war richtig, so wie ich war. Dieses Gefühl verdanke ich vor allem Saschas Geburt und der Zeit danach. Nach der ersten Woche wollten sie mich nicht entlassen. Irgend etwas war zurückgeblieben von der Geburt, wollte sich nicht lösen. Ich wollte nur nachhause – und setzte das auch durch. Zuhause zog ich mir nach den ersten Tagen Sportsachen über, lief die Treppe aus dem 10. Stock  ins Erdgeschoss hinunter – und hetzte dann wieder hinauf. Das Toilettenbecken war danach voller Blut – und alles schien für viele Jahre erledigt. 

Die Wendezeit ließ nicht viel Gedanken aufkommen an ein weiteres Kind. Der Gedanke wurde für mich nur noch einmal konkret, als wir wieder nach Berlin zurückkehrten – und alles Glück möglich schien. N. wäre sicher ein liebevoller Vater gewesen. Es war wunderbar, ihn mit Kindern im Arm zu sehen. Aber einen Mann hätte ich nicht an meiner Seite gehabt. Das ahnte ich wohl auch. Also haben wir den Gedanken auch nicht weiter verfolgt. Es war vielleicht auch nur mein Gedanke, der da aufblitzte, weil mir bewusst war, dass es bald ohnehin zu spät sein würde. Und Sascha war ja auch schon 14 Jahre alt. 

Nun also gleich die End-Lösung? Muss denn alles, was nicht mehr benötigt wird, gleich mit weg? Weil man gerade etwas in der Nähe zu erledigen hat? Aber warum auch nicht? Manchmal packt mich die Angst vor dieser Faust in mir. Vor Saschas Geburt war ich nie in einem Krankenhaus, glaube ich.

Bei der Blinddarm-OP vor 1,5 Jahren hatten sie mich überrumpelt: Sie weckten mich, die ich mich eigentlich zu nur einer Beobachtung bereit erklärt hatte, schoben mich – nur mit einem Laken bedeckt – durch die in Beton eingefassten kahlen Gänge im Keller des Klinikum. An den Schultern fühlte ich den kalten Luftzug. Mehr durch einen Zufall konnte Sascha über einen Freund damals noch informiert werden, wo ich mich gerade aufhielt. Ah, der Doktortitel – Sind Sie eine Kollegin? Nein, mein Titel steht mehr so für das “Philosophische” - Vielleicht für das, was kommt, wenn Sie heute und hier ihren Job nicht richtig machen. Gekicher im Vorraum zur OP.

Da fällt doch gar nicht recht in´s Gewicht, dass ich die Einwilligung für die OP noch gar nicht gegeben habe. Bitte noch hier kurz einmal unterschreiben. Hallo – ich bin Ihr Operateur. Macht nichts - ich bin ihre Patientin. Jetzt wird es gleich ein wenig nach Knoblauch riechen … Sie mussten damals – so kurz vor dem drohenden Streik – noch einige Fälle abarbeiten. Naja. Es ist ja auch alles gut gegangen. Was soll´s.

Diesmal würde ich mich vorbereiten, abmelden können – vorbereiten müssen. Die Gedanken jagen durch den Kalender. Anfang Oktober steigt der Jahreskongress xy in Köln – vielleicht erhalten wir dort einen Preis? Wenn, dann erst danach! Dann wäre ich vielleicht zum zz-Kongress in München wieder fit! Alles in allem wird es vielleicht ein Kilogramm weniger Gewicht. Dann hätte ich nur noch drei Kilogramm bis zu meiner Traumfigur. Vielleicht sollte ich dem etwas abgewinnen! 

Jetzt muss ich lachen. Das ist wohl ohnehin die beste Strategie!