Müde: “Am Abend mancher Tage, Kennt man die Welt nicht mehr …”
Wieder sitze ich im Zug. Hinter mir liegen zwei sehr anstrengende Tage. Der erste war ein„Tag für mich“ – ein Bekannter hat mir geholfen, mir über mein Ziel Professorin zu werden und über den möglichen Weg dahin klarer zu werden. Unsere Fähigkeiten Gedanken zu visualisieren und darüber zu strukturieren, ist sehr weit entwickelt und auch für solche Themen hilfreich. Eine Vision in die Tat umzusetzen – nichts anderes sind Projekte. Und wir – wir sind die Spezialisten dafür :o))
Eigentlich hätte ich das gern gemeinsam erarbeitet.Er aber hatte vom Weg eine ganz konkrete Vorstellung, die er diesmal vorwiegend „abspulte“ und an die Wand brachte. Irgendwann beschloss ich, dies hinzunehmen und von seinem Wissensvorsprung einfach nur zu profitieren. Ich habe mich allerdings nicht „gesehen“ gefühlt dabei. Was soll´s – der Termin hat mich auf jeden Fall ein Stück weiter gebracht, wofür ich dem Kollegen in jedem Falle sehr dankbar bin. Er hat wohl vieles davon für sich bereits durchdacht … derzeit fehlt ihm für eine Umsetzung allerdings noch die Promotion. So sind wir wenigstens in der Zeit, in der ich hoffe meine Pläne umzusetzen keine direkten Konkurrenten.
Der Tag heute war sehr-sehr anstrengend. Unser Team besteht aus drei Gruppen von Kollegen: die erste Gruppe hat unsere ganze spannende und lukrative Tätigkeit überhaupt erst als Geschäftsfeld etabliert. Natürlich haben sich dabei bestimmte Dinge eingespielt. Eine kleine Gruppe „Nachrücker“ hat sich mit den Jahren eingefügt in dieses System. Nun wird das Gleichgewicht durch uns Neu-Kollegen erheblich durcheinander gewirbelt. Schon in der Kultur Dinge im Team zu erarbeiten prallen jetzt Welten aufeinander. Dabei müssen wir dringend gewisse „testamentarische Dinge“ regeln, denn unsere erfahrenen Kollegen sind inzwischen zwischen sechzig und siebzig Jahre alt. Wir können die gute Entwicklung nur indie Zukunft führen, wenn wir gewisse Dinge auf die aktuellen Entwicklungen anpassen. Dazu aber müsste man erst einmal klären, was jeder von uns an Erwartungen und Angeboten einbringt in das Miteinander. Das wäre eigentlich ein ganz normaler Prozess der Teambildung. So haben wir Neu-Kollegen bereits einen ganzen Tag investiert, um für uns diesen Schritt zu üben. Daraus hat sich der Vorschlag entwickelt, einen ganzen Tag unseresregelmäßigen Austausch´ für eine Teamentwicklungsmaßnahme zu nutzen und dies von einem externen Coach begleiten zu lassen.
Der Vorschlag war fundiert vorbereitet, sauber aus unserer aktuellen Situation abgeleitet, wohlwollend aufgesetzt in der Argumentation, ansprechend präsentiert … lockere 15 Minuten hat das in Anspruch genommen und gipfelte in dem Antrag einen solchen Work shop ausserhalb des Tagesgeschäftes zu organisieren.
Was dann an Provinzialismus folgte, mag ich nicht mal mehr im Detail beschreiben.
Geld ausgeben für uns? – nicht mit dem Geschäftsführer. (Pff, kleine Männer …Sorry, das musste jetzt auch mal gesagt werden) Teamentwicklung? – Wir doch nicht: besser als wir arbeitet keiner miteinander. Unsere jeweiligen Interessen und Themen herausarbeiten, clustern und priorisieren, um sie dann in Strategien und langfristiges Arbeiten hinüber zu begleiten? – Machen wir das nicht alles längst bereits in Perfektion und schon so viele Jahre erfolgreich? Ein externer Trainer? – Wir sind doch selbst die Spezialisten! Und überhaupt … dieses neumodische Zeug!
Dann ging es an das Kannibalisieren meines Vorschlags in Richtung „allein – immer mal eine halbe Stunde zwischendurch“ … und überhaupt ist es langsam Zeit mal endlich gründlich über das Formular 4711 zu diskutieren um voran zu kommen in unserer anspruchsvollen Arbeit. Ich könnte ja mit einigen der Neu-Kollegen einen Vorschlag erarbeiten unter diesen Prämissen … Da half es auch nicht, wenn eigentlich mehr als die Hälfte der Anwesenden inzwischen für einen solchen Vorschlag war. Und darunter erfreulicherweise einige der alt gedienten Kollegen.
Im Feedback am Abend wurde dann zwischen den Zeilen sogar sichtbar, dass den meistenüber den Tag klarer geworden war, wie beschämend unprofessionell und rüde im Umgang hier ein möglicherweise grundlegendes Kultur-Thema platt gemacht wurde, das uns bei jeder Gelegenheit eigentlich doch aus allen Knopflöchern heraus übel aufstößt und unsere Arbeit bereits im Ansatz behindert. Ganz zu schweigen von dem doch sehr offensichtlich herablassenden Umgang mit den Interessen Beteiligter.
Aus diesem Unwohlsein aus dem verkorksten Vormittag wird sich etwas entwickeln, beruhige ich mich inzwischen … und freue mich jetzt nur noch auf meine zwei Katzen, die zuhause auf mich warten.