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Archiv der Kategorie 'Menschen'

Begegnung im Morgendunkel: Nora

4. Februar 2008

Töchterchen ist heute Nacht “versackt” - sie hat Liebeskummer aufgearbeitet.
Und ich hatte heute morgen schon eine gruselige Begegnung: ich habe NORA im Bahnhofsgebäude getroffen. Wenn eine Frau für mich Sex verkörpert hat, dann war sie das. Katzenfrauen - sie und ihre Mutter auch damals … und Konkubinen der Prominenz. Ich konnte sogar nachvollziehen, warum SIE für IHN damals der Cognac war … und ICH das Glas Wasser zwischen zwei Cognac. Nora, Du Schöne … von IHM weiß ich, dass er inzwischen vier Kinder hat und wahrscheinlich immer noch fremd geht. Und Nora sieht verbraucht aus. Irre, am frühen Morgen solche Geschichten.

Ich “mache Frau Doktor” heute :o)) - ein wichtiger Kunde hat mich zur Firmeneröffnung an den Postdamer Platz eingeladen. Jazz-Musik, Kontakte. Hm, und mein Lieblingskostüm passt perfekt :o)). Juhu!



Spannender Rückblick – und ein Anruf aus alter Zeit

23. Januar 2008

Ich sitze im Zug und bin fast fertig damit, meinen Lebenslauf mal wieder auf den aktuellen Stand zu bringen, als das Telefon klingelt. Es ist ein Anruf „aus den Weiten des Alls”. Plötzlich ist der Bogen in die Jahre 1978 – 1983 ganz lebendig. Ein Vierteljahrhundert ist das her! Der Mann am Telefon spricht mit russischem Akzent. Auf dem Weltkongress der Tataren hätte an ihm meinen Namen genannt: Er bestellt mir Grüße von Galimjan! Galimjan & Gulja! Mein tatarisches Traumpaar :o) Wunderbare Freunde.

Der Reihe nach: Der Tag war wieder lang heute: Eine Dienstreise hatte mich diesmal nach R. geführt. Mich verbindet einiges mit dieser Stadt. Einer meiner Brüder wohnt hier, der zweite hat sich von hier aus in die Welt gewagt, der dritte möchte gern wieder hierher in die Nähe. Als Kind war R. für mich eine große Stadt.Die Familie meines Ex-Mannes stammt von hier, er selbst wurde hier geboren. Die letzten Minuten am Bahnhof habe ich dann doch noch genutzt, um einem Seitenzweig meiner Ex-Familie eine Karte mit freundlichen Grüßen zu senden. Ich habe sehr angenehme Erinnerungen an den Onkel und seine mir gleichaltrigen Kinder. Für berufliche Zwecke muss ich mal wieder meinen Lebenslauf auf den aktuellen Stand bringen. Da ich heute den ganzen Tag mit Projektmanagement befasst war und wir gerade bei der Vergangenheit sind, komme ich im Zug nachhause auf die Idee, meinen Lebenslauf zur Abwechslung mal als Phasenmodell darzustellen. Es wird eine aufschlussreiche Darstellung: Die Kindheit in Mecklenburg/Vorpommern, das Studium in der ehemaligen Sowjetunion (in der Autonomen Teilrepublik der Tataren), der Beginn meiner Laufbahn als Hochschullehrer, die Promotion. Dann die Wende und der komplette berufliche Neu-Anfang, der mich zum Projektmanagement führte: Zur „Ergebnissicherung“ noch die (west)staatliche Berufsprüfung, dann Brot-Arbeit in Projekten, später Arbeit im zentralen (Multi)Projektmanagement und als Projektleiterin, die Zertifizierung zur Projektmanagerin, Prüferin in Projekten, dazwischen immer wieder mal PM-Trainerin und Coach. Die Berufung zur Assessorin. Parallel dazu die Unternehmerin – lange Jahre nebenberuflich, seit Januar als selbständige Beraterin unterwegs. Beruflich habe ich mich im Prinzip viermal finden bzw. neu erfinden müssen: Fremdsprachen-Dozentin, Fachfrau im Projektmanagement, Revisorin und Unternehmerin. (Mein) Leben ist ein einziges spannendes, lohnendes Abenteuer :o) 

So könnte ich meinen Werdegang durchaus auch zum Besten geben, wenn ich mich um eine Professur bewerben will. Dafür ist das Jahr 2010 im Plan vorgemerkt :o). Dann wird noch einmal neu durchsortiert, denke ich.  Es sind sieben Lebens-Hüte, zu denen ich gleich noch Federn vergebe: 1. Tochter, Schwester, Mutter, Freundin (zwei Federn am Hut) * 2. Ehefrau (Federn gelassen) * 3. Unternehmerin (drei Federn) * 4.  Ewige Studentin (eine Feder) * 5. Assessorin * 6. Lehrerin / Trainerin / Coach * 7. Projektleiterin. 

Private Ausführung des Phasenplans: In einer 4-Kinder-Familie groß geworden, Vater: Offizier, Mutter: Lehrerin. Internatserfahrung seit meinem 14. Lebensjahr. Heirat mit 25, Trennung 21 Jahre später. Das erste Kind mit 26 – da hieß das damals „späte Erst-Gebährdende“! Leider musste die geplante Kleinserie wegen „gravierender Änderungen des gesellschaftlichen Umfeldes“ ausfallen. Dafür war / ist der „Pilot“ eine tolle Erfahrung und ist mir inzwischen eine echte Partnerin geworden. Familienleben in Berlin – München – Berlin. Seit drei Jahren Single-„Azubi“. Im Jahr 2010 werde ich meinen 50. Geburtstag feiern. Vorher muss ich allerdings noch eine Scheidung eintakten. Stichwort „spätmöglichster Endtermin!“, sonst wird das noch eine „Silberhochzeit in Abwesenheit“. Na ja, vielleicht bringt das N´s Mutter sogar demnächst auf den Weg. Was zu regeln wäre, ist bereits im Trennungsvertrag geregelt.  Dann kann die zweite Hälfte des Lebens losgehen. Die Gene würden das hergeben - Oma ist schließlich hundert Jahre alt geworden und Mama absolviert mit 70 Jahren noch täglich im Frauen-Trupp ihre Nordic Walking-Runde am Ostseestrand entlang.  Spannende Rückblicke - Gute Aussichten!

Und nun klingelt das Handy im Zug,

Galimjan & Gulja, Katja, Gulja & Raichan, Irada und Irina – sie prägten meine Studentenzeit.Nur mit Irada habe ich noch Kontakt. Sie lebt jetzt in Berlin. Auch mit Sergej und Vladimir wollte ich den Kontakt pflegen. Wie oft habe ich überlegt und mir vorgenommen sie (v.a. die Mädchen) wieder zu finden. Nun findet die alte Zeit mich :o))



Weihnachten ist “geschafft”

6. Januar 2008

So, Weihnachten ist jetzt also auch „geschafft“. Komisch, dass ich es so empfinde, wo ich doch als Single damit keinen Stress und alle Zeit der Welt hätte einfach nur die Vorweihnachtszeit zu genießen.  Aber ich wollte „es ja auch gut machen“. Was eigentlich? Nun gut, zuerst waren eine Menge Arbeiten abzuschließen. Auch „das Programm“ für Alex war vorzubereiten. Vielleicht trifft das schon den Kern des Problems. Ich hatte wieder Angst davor, in diesen festlichen Tagen zu merken, dass ich nun eben ohne Familie und allein bin – und einsam dazu. Also wollte ich wenigstens Alex gegenüber schöne Rahmen schaffen an diesen Tagen. Das ist mir eigentlich auch gelungen. Auch der Weihnachtsabend bei Michael und seiner Familie war wieder richtig schön. Inzwischen sind wir Kinder „unsere Familie“, denn leider sind die Treffen mit den Eltern keine Freude mehr – rauben nur Kraft und „ziehen runter“. Ich möchte unbedingt anders sein im Alter – mich an meiner Umgebung freuen, an den anderen Menschen, möchte interessiert bleiben und wohlwollend teilhaben.   

In diesem Jahr habe mich selbst auch sehr reichlich beschenkt: Nach zwei Jahren hatte ich endlich wieder etwas dazu unternommen, mir meine Wohnung wohnlicher zu machen: Ein schönes Board im Wohnzimmer, in dem sowohl meine Tücher & Handschuhe, als auch der Schmuck einen guten Platz haben. Die Bilder darüber gerahmt, das Bad verschönt. Im Flur steht jetzt ein Riesen-Schuhschrank für meine Sammlung  :o) Indem ich mein ganz privates Management Summary für 2007 verfasst und an fast 60 Leute verschickt habe, konnte ich dieses verrückte Jahr noch einmal „Revue passieren“ lassen. Dieses Ritual hat aber auch noch die erstaunliche „Nebenwirkung“, dass ich das letzte Wort über (m)ein Jahr behalte. Es ist (m)eine Art, Dinge final zu betrachten und abzuschließen.   

In meiner Wohnung habe ich zwischen den Jahren gleich noch viele Dinge entsorgt. Sie fühlt sich inzwischen wieder ein Stück „leichter“ an. Mal mag ich es, wenn es um mich herum kuschelig und voller Details ist – dann wieder empfinde ich den Platz in aufgeräumten Räumen als Befreiung und fühle förmlich die frische Luft. In diesen Räumen, habe ich dann das Gefühl, kann wieder Neues und Schönes entstehen. Diese Wechselbewegungen von Anhäufen und Aussortieren tun mir gut. 

Alex hat an all den Tagen, an denen sie bei mir in Berlin war, eigentlich nur gearbeitet. Ich bewundere ihre Disziplin. Das erscheint mir neu, denn in den vorherigen Ferien haben wir uns oft gezankt, wenn sie sich (in meiner Wahrnehmung) hängen ließ. Diesmal hat sie die Vorträge, welche sie zu erarbeiten hatte, wohl doch etwas zu ernst genommen. Mir tut es  gut, wenn ich nicht immer die Rolle der „Antreiberin“ zugeschoben bekomme, sondern sie daran erinnern darf, doch einmal los zu lassen und zu entspannen. Wir haben unterm Weihnachtsbaum unsere Päckchen ausgepackt. Sie hat mir sehr liebe Geschenke gemacht. Auch das gemeinsame Entspannen in der Kosmetik war wunderbar. Und auf der Silvesterparty im Palazzo war sehr schön mit ihr. Natürlich war wieder eine sehr kostenintensive gemeinsame Zeit :o) 

Trotzdem raubt mir ihre Anwesenheit und die Bestimmtheit, mit der sich in meiner Wahrnehmung alles um ihre Anforderungen dreht, sehr viel Energie. Oder habe ich schon so ein „Single-Syndrom“? Am vorletzten Tag wäre es beinahe zum Riesen-Streit gekommen. Ich habe einfach das Gefühl, dass ICH gar nicht stattfinde mit meinen Bedürfnissen. Sie fragt nicht, wie es mir geht. An keinem Tag hat sie uns einmal Frühstück bereitet, mir einen Tee gemacht oder sich an Küchenarbeiten beteiligt. Ich habe tatsächlich eine Erleichterung gespürt, als ich sie zum Zug nach Aachen begleitet hatte. Im selben Moment habe ich mich – natürlich – für dieses Gefühl der Erleichterung geschämt. Sie ist ja schließlich mein Kind! Aber was soll´s – es war wirklich so. Erst am Telefon konnte ich ihr dies sagen. Sie war gar nicht böse, wie ich es befürchtet hatte. Es ist gut, dass wir auch über solche Dinge inzwischen reden können. 

Natürlich werden wir jetzt wieder viel telefonieren und ich werde sie an den Prüfungstagen wie immer morgens per Telefon wecken. Aber bis zu ihrem nächsten Urlaub bei mir habe ich erst einmal fast zwei Monate Luft :o)    



Lieder: Wasser und Wein (Lift)

2. Januar 2008

Jeder Tag ist offen wie ein Krug, 
und am Morgen leer,
das man ihn füllt. 

Hat man ihn am Abend voll genug,
wird der Durst der Träume gestillt. 

Einer schenkt Wasser,
einer schenkt Wein, 
tagtäglich sich ein. 

Jeder Tag hat Fragen,
die woll`n Antwort, 
jeden Morgen neu, 
wenn man sich regt. 

Und die Antwort zeigt dass man vorm Spiegel 
abends nicht niederschlägt. 

Einer schenkt Wasser,
einer schenkt Wein
tagtäglich sich ein. 

Gruppe Lift / Komp. Michael Heubach / Text: Kurt Demmler 



Mein Jahresrückblick 2007

2. Januar 2008

Dieses Jahr war für mich von grundlegenden Veränderungen, Abenteuern sowie damit verbundenen Emotionen geprägt. Das war so zu Beginn des Jahres nicht abzusehen. Umso mehr freue ich mich, dass sich diese Veränderungen relativ schnell als Chancen erwiesen haben. 

Töchterchen: Das Studium an der FH bereitet ihr immer noch Spaß. Zu Beginn des Jahres hatte sie die Chance genutzt, ein Praktikum in Barcelona zu absolvieren. Jetzt kam die tolle Nachricht, dass sie das Fulbright-Stipendium erhalten hat und das nächste Studienjahr an der George Mason University in den USA absolviert. 

Sprachendienst GmbH: In diesem Jahr wird unsere Firma erstmalig einen Umsatz von 500.000€ erreichen. Die Kunden beauftragen uns zunehmend mit der gesamten sprachlichen Betreuung ihrer Projekte. Stolz sind wir auch auf unsere gute Zusammenarbeit als Gesellschafter.

Berufliche Um-Orientierung: Kurzfristig ergab sich Mitte des Jahres die Möglichkeit und die Notwendigkeit, den Arbeitsvertrag mit der Phönix AG nach sieben Jahren aufzulösen.Ab Januar werde ich selbständig tätig sein. Zu meiner Freude haben sich für 2008 bereits anspruchsvolle Projekte ergeben, von denen ich auch leben kann. Mein Büro in der Mitte Berlins ist mir eine verlässliche Basis für neue berufliche Unternehmungen.  

Sport & Reisen & Kultur: Barcelona, ein menschenleerer Strand in Andalusien, Irland, Detroit / Chicago, Bamberg, Bremen oder München, dazu eine Reihe von Ausstellungen: Manchmal führen Dinge einen zunächst weit weg, im Grunde aber führen sie einen zu sich selbst. Das zu sehen war eine der Chancen dieses Jahres. 

Meine Oma wurde in diesem Jahr 100, meine Mama 70, Töchterchen 21 und mein kleiner Neffe 1 Jahr alt. Katze Fine hat mit Katerchen Felix einen Spielkameraden bekommen und ist nicht mehr einsam, wenn ich auf Dienstreisen bin.  Bis zu meinem 50. Geburtstag verbleiben zwei Jahre :o). 

Ich bin sehr angetan davon, Dinge erleben und tun zu können, weil ich sie gern mit DIESEN Verwandten, Freunden und Kollegen erleben und tun mag. Dies ist für mich die wichtigste der genutzten Chancen aus 2007! 

Ich bedanke mich herzlich für Freundschaft, Anteilnahme und Kollegialität, die mir dabei ein großes Geschenk waren. Ein besinnliches Weihnachtsfest und Alles Gute für 2008!



Förderer und Beschädiger

13. Dezember 2007

Er hat mich in den letzten sechs-sieben Jahren ermutigt, mein nebenberufliches Engagement stark beeinflusst – mich ganz aktiv gefördert. Auf seine Anregung hin habe ich mich an die Zertifizierung gewagt und mit seiner Ermutigung durchgestanden, habe mich erfolgreich um Aufnahme in das Team bemüht, das mir jetzt ein fester Ankerplatz in meiner zukünftigen selbständigen Tätigkeit gewährleistet. Mit seiner Hilfe habe ich manches besser verstanden, was manchmal “hinter den Kulisssen” passiert. Er hat mir bereitwillig und ganz praktisch ausgeholfen, indem er mir seine Vorlesungs- und Prüfungsvorbereitungen zur Verfügung gestellt hat für meine eigenen Lehrveranstaltungen. Auch heute noch lerne ich gern von ihm, wie man manche Fragen operativ elegant, ohne Aufregung und zeitsparend erledigen kann. Ich war ihm dankbar für sein Vertrauen in mich. Und ich bin ihm dankbar für seinen Weitblick, denn kaum hatte ich die Berufung in unser Team geschafft, weckte er in mir die Idee eine Professur anzustreben. 

Ich habe ihm das gedankt, indem ich gute Arbeit leiste und ihm meine Dankbarkeit gern zeige. Zwischenzeitlich musste ich mich seiner verdeckten und auch eindeutigen Avancen erwehren. Das hat er zu meiner Erleichterung relativ schnell abgestellt. 

Ich weiß nicht, wann genau die Veränderungen in seinem / unserem Verhalten begannen. Natürlich fällt mir auf, dass er sich gern reden – am liebsten, wenn er über sich selbst und seine Projekte; Kontakte und seine Wahrnehmung zu den Kollegen in unserem Team redet. Auch wenn ich die Dinge oft in Wiederholung höre, zeugen sie doch von viel Erfahrung, bringen Anregung. In der letzten Zeit hatte ich auch das Gefühl, dass er die Teilnehmer bei unseren Einsätzen zunehmend belehrt. Jemand beschreibt das Projektgeschehen im Automobilsektor – er weiß, was da läuft! Jemand spricht von der Pharmaindustrie – er hat dort den Durchblick! Anlagenbau? – dort hat er dem Management vieler Projekte auch schon auf die Sprünge geholfen …  Diese Dinge erinnern mich immer mehr an meinen Vater. Unter uns vier Kindern kursiert so eine Art Witz: Schiffsthemen – jahrelang selbst Schiff gewesen! Managementthemen – jahrelang selbst Management gewesen!  „Blindflansch? – jahrelang selbst Blindflansch gewesen!! Was ein Blindflansch ist? Ein totes Ende eines Rohrs … Ich habe mich sehr lange in diesem System an Anreiz und Verletzungen gefangen halten lassen. Erst als mein Vater begann, meine Tochter in ähnliche Mechanismen hinein zu ziehen, konnte ich Position beziehen, Übergriffen etwas entgegenzusetzen, seine Einflusspotenziale deutlich einzugrenzen, meine Tochter zu schützen fiel mir leicht – mich zu schützen, fällt mir heute noch schwer. Inzwischen fährt mein Kollege mir rüde über den Mund – auch wenn das meistens noch im eigenen kleinen Kreis bleibt. Noch, denn beim letzten Einsatz passierte dies schon vor einem Beisitzer. Als ich ihn unter vier Augen darauf hinweis, platzierte er eine Retourkutsche zu einem anderen Thema … 

Tonfall und Wortwahl werden dazu zunehmend rüder. 
Gestern rief er mich nach einem Einsatz aus dem Zug noch einmal im Hotel an. Ich hatte einen Fehler bei der Bereitstellungen unserer Dokumente begangen. Es war nichts Existenzielles, aber es war mir peinlich, zumal mir die Zusammenhänge überhaupt nicht bewusst waren. Umso überraschter war ich über seinen Vorwurf, dass ich zwar eine große Schnauze haben würde, aber diese primitiven Dinge nicht beherrschen würde. Zunächst glaubte ich mich verhört zu haben und fragte naiv nach, ob er mir wirklich ein „großes Maul“ attestiert hätte. Er wiederholte es laut und deutlich noch einmal. 

Ich war geschockt und beendete das Gespräch bei der nächsten Gelegenheit.   Wie sich die Bilder gleichen.Ich habe auch meinen Vater als meinen weitsichtigen Förderer empfunden. Sein Vertrauen in mich war mir viele Jahre Ansporn - und Leimrute wohl auch. Irgendwann kippte diese Verhältnis um, wurde der Ton rüde und die Ansagen persönlich verletzend. Hat das etwas mit der Angst zu tun, Macht einzubüßen, weil der kleinere Partner erwachsen wird? Hat das mit  zunehmender Stärke auf meiner Seite des Verhältnisses zu tun? Entstehen solche Probleme, wenn man sich abnabelt und eigene Vorstellungen entwickelt? Aber kann man sich nicht abnabeln - und der andere bleibt trotzdem der größere respektierte Partner? Und benimmt sich auch so? Ist das Wut, die den anderen verletzen will?  Ich muss über kurz oder lang einen Weg finden, damit umzugehen. Ich will mich gegen solche persönlichen Angriffe schützen! Auf keinen Fall darf ich mich in die Opferrolle einer Beschädigten drängen und mir so viel gefallen lassen! Wie ich das angehen werde, will gut überlegt sein. Vielleicht sollte ich mich dazu mit ein paar Leute beraten.



Lieder: Ich bin zum Sehen geboren

11. Dezember 2007

Ich bin zum Sehen geboren,
und nicht, das mir einer sagt, was er sieht.
Ich hab selber Ohren,
und sing mein eigenes Lied.

Ich lebe doch, um zu lieben,
und nicht das mir einer sagt, wie er liebt.
Vieles steht vorgeschrieben,
doch glaub ich, das es noch mehr gibt.

Ich habe Lust zu verschenken,
drum sperrt mich nicht in ein Fertighaus ein.
Ich kann selber denken
und muss kein Nachredner sein.

Ich bin zum Sehen geboren,
und nicht, das mir einer sagt, was er sieht.
Ich bin voll von Bildern,
was auf der Welt geschieht.

Ich bin mit Hellsicht geschlagen,
die Welt lebt in mir, ich leb in der Welt.
Ich kann alles sagen,
auch wenn es dir nicht gefällt.

Ich bin zum Sehen geboren,
und du bist einer, geboren wie ich.
So sind wir verschworen
und keiner steht für sich.

Thalheim / Lyrik * Komp. Jürgen Ecke / Barbara Thalheim * Text: Fritz-Jochen Kopka 



Provinzielles

11. Dezember 2007

Müde: “Am Abend mancher Tage, Kennt man die Welt nicht mehr …”

Wieder sitze ich im Zug. Hinter mir liegen zwei sehr anstrengende Tage. Der erste war ein„Tag für mich“ – ein Bekannter hat mir geholfen, mir über mein Ziel Professorin zu werden und über den möglichen Weg dahin klarer zu werden. Unsere Fähigkeiten Gedanken zu visualisieren und darüber zu strukturieren, ist sehr weit entwickelt und auch für solche Themen hilfreich. Eine Vision in die Tat umzusetzen – nichts anderes sind Projekte. Und wir – wir sind die Spezialisten dafür :o))

Eigentlich hätte ich das gern gemeinsam erarbeitet.Er aber hatte vom Weg eine ganz konkrete Vorstellung, die er diesmal vorwiegend „abspulte“ und an die Wand brachte. Irgendwann beschloss ich, dies hinzunehmen und von seinem Wissensvorsprung einfach nur zu profitieren. Ich habe mich allerdings nicht „gesehen“ gefühlt dabei. Was soll´s – der Termin hat mich auf jeden Fall ein Stück weiter gebracht, wofür ich dem Kollegen in jedem Falle sehr dankbar bin. Er hat wohl vieles davon für sich bereits durchdacht … derzeit fehlt ihm für eine Umsetzung allerdings noch die Promotion. So sind wir wenigstens in der Zeit, in der ich hoffe meine Pläne umzusetzen keine direkten Konkurrenten.

Der Tag heute war sehr-sehr anstrengend. Unser Team besteht aus drei Gruppen von Kollegen: die erste Gruppe hat unsere ganze spannende und lukrative Tätigkeit überhaupt erst als Geschäftsfeld etabliert. Natürlich haben sich dabei bestimmte Dinge eingespielt. Eine kleine Gruppe „Nachrücker“ hat sich mit den Jahren eingefügt in dieses System. Nun wird das Gleichgewicht durch uns Neu-Kollegen erheblich durcheinander gewirbelt. Schon in der Kultur Dinge im Team zu erarbeiten prallen jetzt Welten aufeinander. Dabei müssen wir dringend gewisse „testamentarische Dinge“ regeln, denn unsere erfahrenen Kollegen sind inzwischen zwischen sechzig und siebzig Jahre alt. Wir können die gute Entwicklung nur indie Zukunft führen, wenn wir gewisse Dinge auf die aktuellen Entwicklungen anpassen. Dazu aber müsste man erst einmal klären, was jeder von uns an Erwartungen und Angeboten einbringt in das Miteinander. Das wäre eigentlich ein ganz normaler Prozess der Teambildung. So haben wir Neu-Kollegen bereits einen ganzen Tag investiert, um für uns diesen Schritt zu üben. Daraus hat sich der Vorschlag entwickelt, einen ganzen Tag unseresregelmäßigen Austausch´ für eine Teamentwicklungsmaßnahme zu nutzen und dies von einem externen Coach begleiten zu lassen.

Der Vorschlag war fundiert vorbereitet, sauber aus unserer aktuellen Situation abgeleitet, wohlwollend aufgesetzt in der Argumentation, ansprechend präsentiert … lockere 15 Minuten hat das in Anspruch genommen und gipfelte in dem Antrag einen solchen Work shop ausserhalb des Tagesgeschäftes zu organisieren.

Was dann an Provinzialismus folgte, mag ich nicht mal mehr im Detail beschreiben.
Geld ausgeben für uns? – nicht mit dem Geschäftsführer. (Pff, kleine Männer …Sorry, das musste jetzt auch mal gesagt werden) Teamentwicklung? – Wir doch nicht: besser als wir arbeitet keiner miteinander. Unsere jeweiligen Interessen und Themen herausarbeiten, clustern und priorisieren, um sie dann in Strategien und langfristiges Arbeiten hinüber zu begleiten? – Machen wir das nicht alles längst bereits in Perfektion und schon so viele Jahre erfolgreich? Ein externer Trainer? – Wir sind doch selbst die Spezialisten! Und überhaupt … dieses neumodische Zeug!

Dann ging es an das Kannibalisieren meines Vorschlags in Richtung „allein – immer mal eine halbe Stunde zwischendurch“ … und überhaupt ist es langsam Zeit mal endlich gründlich über das Formular 4711 zu diskutieren um voran zu kommen in unserer anspruchsvollen Arbeit. Ich könnte ja mit einigen der Neu-Kollegen einen Vorschlag erarbeiten unter diesen Prämissen … Da half es auch nicht, wenn eigentlich mehr als die Hälfte der Anwesenden inzwischen für einen solchen Vorschlag war. Und darunter erfreulicherweise einige der alt gedienten Kollegen.

Im Feedback am Abend wurde dann zwischen den Zeilen sogar sichtbar, dass den meistenüber den Tag klarer geworden war, wie beschämend unprofessionell und rüde im Umgang hier ein möglicherweise grundlegendes Kultur-Thema platt gemacht wurde, das uns bei jeder Gelegenheit eigentlich doch aus allen Knopflöchern heraus übel aufstößt und unsere Arbeit bereits im Ansatz behindert. Ganz zu schweigen von dem doch sehr offensichtlich herablassenden Umgang mit den Interessen Beteiligter.

Aus diesem Unwohlsein aus dem verkorksten Vormittag wird sich etwas entwickeln, beruhige ich mich inzwischen … und freue mich jetzt nur noch auf meine zwei Katzen, die zuhause auf mich warten.



Was treibt uns an? Was lässt uns werden, was wir sind?

17. Juni 2007

Unser Gegenüber in der Prüfung heute - ein gestandenes Mannsbild: Mitte vierzig, die Haare fast militärisch kurz, die Schläfen leicht angegraut, mit BOSS anzugtechnisch ganz „auf Nummer sicher“ . Natürlich schwarz.

Mit Projekten setzt er einige Milliarden um in Arabiens Wüstenmetropolen. In seiner Prüfungsarbeit geht es darum Sicherheit in die Projekte zu bringen mit Standards - jetzt, wo der Motor heiß läuft, weil die Nachfrage an Bauleistungen und den Dienstleistungen darum herum irre Blüten treibt. Und Dollarzeichen in die Augen der deutschen Mutterhäuser. Es fehlt an mittlerem Management für Projekte, die aus dem Wüstensand schießen. Ein Qualitätsfehler kann dazu führen, dass man weggefegt ist vom Markt dieser reichen und unendlich anspruchsvollen Kunden. Ich hatte schon beim Lesen der Unterlagen manchmal die Luft angehalten bei der Vorstellung, was dieser Gegenüber so bewegt. Die Gespräche laufen flüssig, schnell ist ein gleichberechtigter Austausch entstanden. Wir sind für ihn INSTANZ, vor der er die Herausforderung, die Bestätigung sucht. Wir haben für ihn heute ein „Du-hast-es-wieder-geschafft“ zu vergeben. Er hat den ERfolg auch hier verdient. Wer, wenn nicht er?!

Irgendetwas sorgt für Distanz. Die grauen, angestrengten Augen?
Ein Reisender, ein Söldner – ein Getriebener, Suchender.
Ich ertappe mich bei dem Gedanken, wie einsam er sein muss in seiner Welt. Der Stolz über diesen Abschluß wird ihn nicht lange satt machen. Es ist dieses Getrieben-sein, dies Nirgens-ankommen-können, was mich berührt – mir so nahe ist und doch diese Distanz schafft.
Dabei sieht die ganze Welt, was er schafft – er hinterlässt doch sichtbare Spuren!
Keine dieser Spuren ist wohl genug, um ihn satt zu machen tief drinnen – satt, wenigstens für einen Atemzug. ER ist inzwischen Partner - er wird viel gezahlt haben für diesen Moment – deutlich und auch nach außen sichtbar ernst genommen zu werden. Er zahlt jeden Tag dafür, dies jeden Moment neu fühlen zu können.

Wenn es der Antrieb ist, dieses Streben nach Anerkennung, dann treibt es ihn wohl nicht nur täglich zu diesen enormen Leistungen an. „Es frisst ihn“ – kommt mir in den Sinn.  Was / wer hat dies so existenziell für ihn werden lassen?

Wer mag Dir ein Freund sein? Wer sieht in Dir, was Du ohne diese beeindruckenden Anstrengungen und Leistungen auch bist? Du bist sichtlich froh über die Gelegenheit Dich austauschen zu können. Du fragst den Kollegen neben mir nach seinem Werdegang.

Sieht er in ihm den Vater, von dem er die ersehnte Anerkennung erwartet? Im Lebenslauf habe ich gelesen, sein Vater ist Militär. Nach mir fragt er nicht. Er ist souverän, trotzdem spürt man seine Aufregung. Er ist berührt, als wir ihm gratulieren.

Wohin gehst Du, um diesen Erfolg zu feiern? Wer weiß zu schätzen, was Du da über die letzten Monate mit dieser Zertifizierung geleistet hast? Wer teilt Deine Freude mit Dir? Ab heute haben Nachrichten aus den Boom-Towns Arabiens für mich auch Dein Gesicht. Ich wünsche Dir, dass Du ankommen kannst, stolz auf Dich sein kannst – ohne es Dir jeden Moment immer wieder neu beweisen zu müssen!