Ship hold? - Liebe “on demand”?
Seit vier Tagen habe ich nichts mehr von Dir gehört. Du hattest mir gesagt, dass Du Deine zwei Wochen Resturlaub aus dem vergangenen Jahr während der Schulferien nehmen wirst. Als ich Dir deutlich gesagt habe, dass ich das nicht nachvollziehen kann, kam Dein Vorschlag, die Tage vor Ostern mit mir zu verbringen. Ich wusste, zuhause würdest Du dafür schwindeln, lügen.
Ich habe mich sehr gefreut.Â
Nein, Du hattest mir nicht gesagt, dass Ihr gemeinsam in Urlaub fahren würdet.
Nein, Du hattest mir nicht gesagt, dass „Urlaub machen“ für Dich heisst „miteinander verreisen“.
Auch Deine Töchter meinten das wäre das falsche Signal an Deine Frau.
Wenn man sich trennen will, fährt man doch nicht gemeinsam in den Urlaub!Â
Wir haben am Donnerstag abends mit einander telefoniert. Nachts kam noch ein „Schlaf gut“ per sms. Am Freitag kam kein Lebenszeichen mehr von Dir. Du hast Dich nicht einmal verabschiedet.Â
Im Viertelstunden- Takt schaue ich auf das Handy.Was erwarte ich eigentlich? Eine Mail? – Du bist schließlich in Urlaub! Eine sms? – Du bist schließlich bei Deiner Frau. Du bist wohl dort, wo Du hingehörst – sonst wär´st Du nicht DORT! In unserem Alter verbringt man seine Lebenszeit dort wo man sich hin gehörig fühlt. Warum will ich das nicht wahr haben?Â
Weil, weil Du gesagt hast, dass Du mich liebst?
Weil Du mich gefragt hast, ob ich mit Dir leben will.
Weil ich Angst habe allein zu sein?
Weil ich Sehnsucht habe?
Weil ich Angst Dich zu verlieren – zu verlieren, was mir gut tut, wenn Du da bist?Â
Weil es so schön wäre sich auf Dich, auf uns zu freuen – in meiner neuen Wohnung.
Weil ich so gern möchte, dass meine Welt ihr Gleichgewicht findet.
Weil ich das Gefühl habe, Du könntest dazu gehören.
Weil das so ein schöner Gedanke ist ….Â
Ich weiss nicht einmal, worauf wir uns eigentlich verabredet haben. Es sind noch mehr als fünf Tage bis zum Sonntag, um den sich unser letztes Gespräch drehte. Wann wirst Du Dich melden? Am Tag, bevor Du Dich auf dem Weg zu mir machen wirst?
Call a Liebste???? Liebe “on demand”? In welcher Ecke bin ich da gelandet?
Wie gehst Du mit meinen Gefühlen um? Was denkst Du Dir eigentlich, wie wir damit leben / lieben wollen? Wenn Du anrufst, bin ich wahrscheinlich ganz locker und erfreut. Das ist das, was Du Dir erhoffst. Aber: Das bin nicht ICH! Das ist nur der eine Teil von mir, der Dich liebt und Sehnsucht hat. Wenn ich bei Dir nicht sein kann, wie ich bin … bist Du dann richtig für mich?
Der Preis ist mir in manchen Momenten zu hoch. Ich gehe auf Distanz zu Dir und mir. Ich verbrauche viel Kraft dabei. Die würde ich für mich selbst auch gut gebrauchen können.
Ich arbeite, ich netzwerke, ich telefoniere, ich reise herum, ich sehe fern in immer wieder neuen Hotelzimmern, ich versuche in immer wieder neuen Betten irgendwie zu schlafen, ich versuche das Hotelfrühstück zu geniessen. Ich bestelle mir um Mitternacht im Internet für über 200€ Kräuterpflanzen. Dabei weiß ich doch: Heile Welt kann man nicht kaufen!Â
Ich sehe mir im Internet Ratan-Lounges für meine neue Dachterasse an. Ich habe dabei besondere Ansprüche – sie sollen nachts genug Platz bieten, um draußen zu schlafen und in den Sternenhimmel zu schauen. Platz für zwei! FÜR UNS ZWEI! Ich wünsche mir nichts lieber als dass ich mich einlassen könnte: auf DICH, auf UNS. Das muss / müsste ich erst wieder lernen. Schon das ist so schwer.Â
Und nun? Ich brauche so viel Kraft, um den Gedanken an Dich und meiner Sehnsucht keinen Raum zu geben! Ich brauche mich auf im „Auf Distanz gehen“. Ich rede mir ein, dass es andere wichtige Dinge gibt in meinem Leben als uns. Der vor Dir war auch immer dann nicht erreichbar, wenn ich seine Nähe brauchte. Diesmal muss ich auf der Hut sein! Aber wie soll dann das sich-einlassen gehen? Dazu bräuchte es klare Signal von Dir. Ich mag nicht Verständnis haben für Dein Zaudern. Ein Schritt vor – zwei zurück!!Â
Ich soll offen für uns sein, wenn sich die Gelegenheit findet.
Ich soll emanzipiert genug sein, um auch allein glücklich zu sein.
Ich soll in unseren Gesprächen stark genug sein, um Dich aufzufangen, wenn die Dinge Dir über den Kopf wachsen. Das kommt mir das alles so bekannt vor. Davon lasse ich mich gerade scheiden!!!! Das brauche ich nicht mehr in meinem Leben!!!!
Bei Motorola hieß das damals “Ship hold” - Auslieferung bis auf weiteres gestoppt. Ich versuche die Distanz so groß zu machen, dass ich bei der nächsten Gelegenheit gehen kann, die für mich nicht mehr zu akzeptieren ist. Sie ist schon jetzt nicht akzeptabel für mich!!!
In den Momenten, in denen ich genügend Distanz habe, schaffe ich es wütend auf Dich zu sein. Dann will ich, dass Du aus meinem Leben verschwindest. Dann will ich Dir das sagen. Dann bin ich sogar bisweilen erleichtert. Dann fühle ich mich frei. Woher und wie soll da Liebe sein können?
Nach fünf Tagen ein Lebenszeichen per sms:
01. April 18:08 Uhr:
Ich denke die ganze Zeit ganz lieb an Dich und möchte Dir vieles sagen. Mischuk (nicht antworten).
