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Archiv der Kategorie 'Berufliches'

Schreibtisch einrichten

3. Dezember 2008

Ich richte mir mein Büro ein: Federmappe, Brille, Taschentuch. Drei lustige Nikolauskarten für Alex. Das Notebook kommt ans Netz, der Blackberry zur Sicherheit auch an das Ladegerät. Zugang zum Netz funktioniert. Zeitung (mit Sudoku) für die Pause – auch da. Der Ablaufplan für die nächsten Tage steht.

Was liegt jetzt an? Für morgen habe ich vier Gutachten zu erarbeiten – zwei davon als Hauptgutachter. Das ist viel Arbeit. Die Dienstreisen von Hamburg und Koblenz/Bremen warten noch auf die Abrechnung im entsprechenden Tool. Das Strategiepapier für mein Verbands-Ressort habe ich bereits zur Bearbeitung auf den Weg zu den Kollegen vom Beirat gebracht. Die Rechnungen für die letzten beiden Einsätze sind auch schon in der Post. Hoffentlich ist das Geld schnell angewiesen. Mein Dienstkonto ist wieder im Minus – im Oktober/November war die Auftragslage nicht günstig. Dafür stürzt jetzt im Dezember alles übereinander.

Wasserflasche, Nagelpflegestift, Creme. Kaffee? Erst einmal nicht, danke. Später gern.

Der bunte Gummistöpsel kommt ins Ohr. Viereinhalb Stunden wird der ICE bis nach Nürnberg benötigen ….



Selbstverwaltung: Entlastung in Sicht

15. März 2008

Hallo - bei unserem letzten Telefonat hast Du sehr angespannt und müde geklungen. Ich hoffe, sie ärgern Dich nicht so sehr :o( bzw. Du kannst Dich irgendwie ein wenig auf Distanz begeben.

Das sage ICH … ein Witz für sich :o)

Ich drücke Dir die Daumen! Wann wollten wir unser nächsten Quartalstreffen veranstalten?? Ich bin auch richtig k.o. - ich reise andauernd von irgendwo nach nirgendwo. Aber wie war das doch: “Früher war ich jung - jetzt brauche ich Geld :o)” … oder so.

Alex war wieder eine Woche bei mir. Sie wollte mir Gutes tun und hat mir jeden Tag gesagt “So, heute gehst Du nicht ins Büro - bleibst zuhause und spannst aus! Wir unternehmen etwas”. Das hat mir noch viel mehr Druck gemacht. Bis ich nach drei Tagen vor lauter Streß losgeheult habe. Sie kann natürlich nicht nachvollziehen, wie ich mich fühle als Neu-Selbständige. Da ist doch jeder einzelne Auftrag wichtig. Die ganzen Prüfungstage müssen ja auch noch vor- und nachbereitet werden. Pia hat schon nachgefragt, warum ich keinen neuen Beitrag in meinem BLOG habe. Aber mir ist schlichtweg der Humor vergangen :o), fürchte ich.

Dafür waren Alex und ich am Mittwoch einen ganzen Tag im Hamam! Das war toll! Mich ärgert nur immer wieder, wenn Frauen ein Business gründen und das dann nur so halb gewalkt betreiben. Sie haben uns Termine gegeben, dann aber eine von uns zwei Stunden warten lassen, weil diese Termine NACH EINANDER vergeben wurden. Und keiner hat uns darauf vorbereitet.
Ich mag auch nicht, wenn man streng darauf hingewiesen wird, dass sich hier alle duzen. Brrr!Aber es war trotzdem sehr erholsam, als wir dann einmal losgelassen hatten. Da ich mangels ordentlicher Vorbereitung dann doch Deinen Gutschein vergessen habe, sollten wir uns vielleicht mal gemeinsam dort verabreden. Wie wäre das?

Meine Unterlagen werden langsam einem akzeptablen Zustand zugeführt. Ich habe über Frau Heß eine Dame gefunden, die sich damit auskennt und kräftig zupackt. Ab Frühjahr werde ich sie offiziell damit betrauen können, denn dann ist ihre Arbeitsamtmaßnahme vorbei und sie kann besser disponieren. Stelle Dir vor: Sie würde durch Gegenrechnungen der Einnahmen von 400€ nur ca. 160€ behalten. Bei 200€ Verdienst bei mir blieben wenigstens 100€ (anrechnungsfrei) zzgl. 20% vom Restbetrag.

Meine Ordner sind schon “pro Projekt” angelegt. Heute sitzt sie nebenan an den Reisekostenabrechnungen aus 2007, die demnächst zum Steuerberater müssen. Dann geht es an die Belege und Reisekosten für 2008. Ich freue mich riesig und bin erleichtert, eine solche Unterstützung gefunden zu haben. So kann ich mich auf das konzentrieren, was ich kann … nach vorn buddeln, ohne mich umzusehen :o)) Nur an den Briefen für die Rentenaktualisierung habe ich noch nicht weiter gearbeitet :o(( -

Aber es ist ein gutes Gefühl, dass sich einiges bewegt.Die Anlagen sind eingeordnet, die Bankkonten sortiert. Wenn ich nur daran denke, dass von den 75T€ Abfindung ganze 52T€ geblieben sind nach den Abzügen … und ich trotzdem dann noch nicht versichert bin für 2008, könnte ich mich richtig ärgern. Da kommt mir dann wenigstens einmal zugute, dass ich eigentlich kein Verhältnis zu Geld habe.

Ich habe inzwischen sogar schon einmal von (m)einer kleinen eigenen Wohnung geträumt!
Bis zu meinem 50. Geburtstag ist es ja nicht mehr so lang :o)) Sie muss unbedingt eine Besucher-Toilette haben … für die Katzen. An was man so denkt :o)

In diesem Zusammenhang eine angenehme Frage: … in zwei Wochen wäre wieder “Kohle da”. Ich dachte so an xxT€, die ein warmes Plätzchen im Anlage-Dschungel suchen und dabei gern auf Deine Finde-Qualitäten zurückgreifen würden. Sie jammern doch so sehr, wenn man sie so allein liegen lässt :o)  Mail an eine Freundin - März 2008



Flirten und PM

13. Januar 2008

Guten Morgen,
Die Idee sich die Dinge liefern zu lassen, finde ich toll. Ich source auch gern aus, geniesse Dienstleistungen. Dann bleibt mir mehr Zeit für meine Dinge. Deine Liste hört sich auch ein wenig freudlos an :o) Meine ist deutlich “hedonistischer”. Werd´ bald wieder richtig gesund! Es gibt doch so tolle Wochenmärkte in Berlin zum Einkaufen :o)

Heute früh hat mich der neue Mann im meinem Leben (Felix, 6 Monate alt, bernsteinfarben und ein Schmuse-Kater :o) wieder so früh geweckt, dass ich inzwischen im Büro sitze.

Die Tests, nach denen Du fragst, beschäftigen sich mit PM-Wissen und sind ein Teil der Prüfung, nach deren erfolgreichen Bestehen die Leute sich (..) nennen dürfen. Dabei gibt es verschiedene Level - in der nächsten Woche prüfe ich z.B. in xx Leute, die dafür zwei unterschiedlich schwere schriftliche Tests und ein ganztägiges Assessment durchlaufen müssen. Falls Du “vergnügungssüchtig” bist, findest Du den ganzen Schmus unter “(www.)”. Der “Run” auf diese Abschlüsse ist sehr gewachsen, so dass unser Team sehr viel zu tun hat. Ich bin ziemlich stolz, zu diesem kleinen Team zu gehören. Es ist ein großes Alleinstellungsmerkmal in der Branche. Es hat übrigens den netten Nebeneffekt, dass einerseits eine Menge Leute (Trainer, Teilnehmer und die Branche) doch erst einmal ziemlichen Respekt vor einem haben … und man selbst sich dann darauf konzentrieren kann, den Leuten zu zeigen, was sie alles können. Diese Interviews (20`min) halten wir schon so sechs-sieben Stunden durch. Aber dann kuschle ich mich im Zug in meinen Mantel und bin froh für ein paar Stunden abschalten zu können.

Tamara Danz von Silly hatte dafür die Zeilen

Meine Uhr ist eingeschlafen
ich hänge lose in der Zeit
ein Sturm hat mich hinaus getrieben
hinaus auf das Meer, das Meer der Ewigkeit …

Es ist toll in den Belegarbeiten zu lesen und in den Interviews zu erfahren, was so an PM in den Firmen und im ganzen Land läuft. Das befriedigt mein Bedürfnis “gesetzt” zu sein (sich die Akzeptanz nicht immer jeden Tag erkämpfen zu müssen), etwas Besonderes und gefragt zu sein, neugierig sein zu dürfen, sich aus kleinlichen Machtkämpfen der Branche heraushalten zu dürfen - und gute Leute erleben und fördern zu können, Netzwerke aufzubauen. Und für meine noch ganz frische Selbständigkeit ist es mit 4 - 6 Tagen / Monat ein beruhigendes Auftragsvolumen. Ein Nachteil am Rande - Wo immer ich hinkomme, haben die “Jungs” alle ziemlichen Respekt vor mir. Die würden wahrscheinlich vor Schreck tod umfallen, wenn ich flirten würde :o))

Diesmal auch von mir ein Gedicht. Die erste Zeile sende ich meiner Tochter immer per SMS, wenn sie mich - mehr als Ritual - um den Weckdienst vor einem wichtigen Termin bittet.

Aufsteh´n

Aufsteh´n,
Kriech aus deiner Tonne
Draußen lacht die sonne
Wie ein Clown.

Wolken,
Wie dressierte Pferde
Traben um die Erde
Schwarz weiß braun

Aufsteh´n,
Wind wirbelt die Blätter
Munter durch das Wetter
Wie´ n Jongleur

Und der
Herrgott im Zylinder
Bittet seine Kinder
Um Gehör.

Schlag die Augen auf Hi-Hi
Und auch du bist dabei
Im großen Zirkuszelt
dieser Welt

Aufsteh´n
Was zum Besten geben
Möchte dir das Leben
Was du hast

Aufsteh`n
Alles nimm´ in Kauf mit
Dass du deinen Auftritt
Nicht verpasst.

An der Länge meiner Nachricht merke ich, dass ich eigentlich keine Lust auf Büro habe :o((  Ich muss immer lachen, wenn ich mir “auf die Schliche komme”. Und dann kommt die Lust fast von allein wieder.

Liebe Grüße - Tanja
P.S. Wenn Du magst, kannst Du mir auch schreiben an xx@web.de. Dann kann ich Deine Mails auch lesen, wenn ich morgen ohne Laptop nach xx fahre.



Was Manhattan mit Glück zu tun hat

12. Januar 2008

Ein ganz besonderer Tag … ich habe die Rahmen meines zukünftigen Beratervertrages verhandelt.  

Die Beratungsfirma gewinnt eine gut vernetzte Fachfrau und gestandenes „Weibsbild“ für vertriebliche Zwecke, eine Entwicklerin von Konzepten / Sparringspartnerin für die interne Produktentwicklung und eine Trainerin. Ich gewinne eine Firma, die sich auf dem Unternehmens-Beratungsmarkt in attraktiven, feinen Nischen etablieren will und expandiert.   

Sie kann mir ein potenter Auftraggeber und sogar Arbeitgeber werden, meinem Faible für Strategisches / Konzeptionelles Raum geben kann und das gute Gefühl mit meinem Wissen, Können, meiner inzwischen angesammelten Erfahrung und meinem oft sehr persönlichen Engagement gefragt zu sein sowie irgendwo ein dienstliches Zuhause zu haben. Es ist mir wichtig, dass dies eine moderne Firma ist – mitten in Berlin. Inmitten Europas? Es passt, „zur Arbeit“ dorthin in High Heels und Hut zu erscheinen. Na ja, so ein bisschen Manhattan-Feeling. Wie schreibt man das? Ich muss unbedingt mal hin dort und prüfen, wie sich das dort anfühlt :o)) 

Heute haben wir also verhandelt - Herausgekommen sind strukturierte Rahmen für alle drei Betätigungsfelder Vertrieb, Beratung und Seminarumsetzung. Es bedeutet mir zusätzliche wirtschaftliche Sicherheit, fachliche Herausforderung und die Möglichkeit, mich weiter zu entwickelt, Das macht mich sehr stolz 

Als ich 2000 von München nach Berlin zog und für das zentrale Projektmanagement einer Vorgänger-Firma der Phönix AG übernahm, stellte mir die Firma Mittel für einen Führungskräfte- und Projektmanagement-Coach zur Verfügung. Als die Gelder ausliefen, hatte ich sein Coaching so weit schätzen gelernt, dass ich es privat weiter finanziert habe. Er tat mir gut, meinen Alltag mit einem Mann – einem älteren, wissenden, erfahrenen – zu reflektieren und in einem geschützten Raum kritisch zu hinterfragen. Natürlich bin ich eine Herausforderung für einen Coach. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass dies ein eigener Wert ist. Ich habe diese Zusammenarbeit als sehr persönlich und doch mit professionelle Distanz – ohne Fraternisierung empfunden. Ich war dankbar um die Grenzen, die er setzte. Das war wohl auch das „Geheimnis“. Manches, was ich über mich herausgefunden habe, hat mir weh getan. Es hat meinen Blick geschärft. Er hat es mir nicht leicht gemacht, weil ich mir ziemlich viel allein und ehrlich selbst erarbeiten musste. Aber, dass wollte ich ja eigentlich auch so. Wir haben auch oft gelacht. Aufgeräumt und ermutigt habe ich mich nach jedem! Termin gefühlt.  

In den letzten Wochen haben wir eine ganz andere Art der Zusammenarbeit gewagt und gemeinsam einen Fachartikel entwickelt. Ich bewundere sein Wissen, vor allem was Soziologie und systemisches Denken betrifft – mein strukturiertes Denken wiederum hilft offensichtlich die Dinge in ein System zu bringen, zu vereinfachen und verständlich zu formulieren. Auch bei dieser Art von Arbeit haben gemerkt, wie gut wir uns ergänzen. Denken ist verdammt anstrengend. Und: Denken ist sexy!, habe ich nicht nur einmal gedacht.  

Heute hat er mit mir und seinem Chef die Rahmen für eine neue Art von Zusammenarbeit verhandelt. Auf sein Coaching werde ich ab jetzt verzichten müssen.  

Alles hat seine Zeit. Veränderung ist Chance! … alles solche Sprüche. Es tut verdammt gut erfahren und zu spüren!, dass etwas bleibt, sich entwickelt – über den Tag hinaus und auch unter veränderten Bedingungen trägt. Vielleicht sogar gerade dann. Wir freuen uns beide sichtlich auf diese neue Qualität der Arbeit.  

„Letztlich sind es immer die Beziehungen zu Menschen, die dem Leben den Wert geben“. Wilhelm von Humboldt

Ich habe wirklich Glück – Glück vor allem mit Menschen!!

Glück vielleicht auch mit mir? Auf jeden Fall komme ich Stück für Stück weiter im Sehen-lernen :o)

           



Mein Jahresrückblick 2007

2. Januar 2008

Dieses Jahr war für mich von grundlegenden Veränderungen, Abenteuern sowie damit verbundenen Emotionen geprägt. Das war so zu Beginn des Jahres nicht abzusehen. Umso mehr freue ich mich, dass sich diese Veränderungen relativ schnell als Chancen erwiesen haben. 

Töchterchen: Das Studium an der FH bereitet ihr immer noch Spaß. Zu Beginn des Jahres hatte sie die Chance genutzt, ein Praktikum in Barcelona zu absolvieren. Jetzt kam die tolle Nachricht, dass sie das Fulbright-Stipendium erhalten hat und das nächste Studienjahr an der George Mason University in den USA absolviert. 

Sprachendienst GmbH: In diesem Jahr wird unsere Firma erstmalig einen Umsatz von 500.000€ erreichen. Die Kunden beauftragen uns zunehmend mit der gesamten sprachlichen Betreuung ihrer Projekte. Stolz sind wir auch auf unsere gute Zusammenarbeit als Gesellschafter.

Berufliche Um-Orientierung: Kurzfristig ergab sich Mitte des Jahres die Möglichkeit und die Notwendigkeit, den Arbeitsvertrag mit der Phönix AG nach sieben Jahren aufzulösen.Ab Januar werde ich selbständig tätig sein. Zu meiner Freude haben sich für 2008 bereits anspruchsvolle Projekte ergeben, von denen ich auch leben kann. Mein Büro in der Mitte Berlins ist mir eine verlässliche Basis für neue berufliche Unternehmungen.  

Sport & Reisen & Kultur: Barcelona, ein menschenleerer Strand in Andalusien, Irland, Detroit / Chicago, Bamberg, Bremen oder München, dazu eine Reihe von Ausstellungen: Manchmal führen Dinge einen zunächst weit weg, im Grunde aber führen sie einen zu sich selbst. Das zu sehen war eine der Chancen dieses Jahres. 

Meine Oma wurde in diesem Jahr 100, meine Mama 70, Töchterchen 21 und mein kleiner Neffe 1 Jahr alt. Katze Fine hat mit Katerchen Felix einen Spielkameraden bekommen und ist nicht mehr einsam, wenn ich auf Dienstreisen bin.  Bis zu meinem 50. Geburtstag verbleiben zwei Jahre :o). 

Ich bin sehr angetan davon, Dinge erleben und tun zu können, weil ich sie gern mit DIESEN Verwandten, Freunden und Kollegen erleben und tun mag. Dies ist für mich die wichtigste der genutzten Chancen aus 2007! 

Ich bedanke mich herzlich für Freundschaft, Anteilnahme und Kollegialität, die mir dabei ein großes Geschenk waren. Ein besinnliches Weihnachtsfest und Alles Gute für 2008!



Provinzielles

11. Dezember 2007

Müde: “Am Abend mancher Tage, Kennt man die Welt nicht mehr …”

Wieder sitze ich im Zug. Hinter mir liegen zwei sehr anstrengende Tage. Der erste war ein„Tag für mich“ – ein Bekannter hat mir geholfen, mir über mein Ziel Professorin zu werden und über den möglichen Weg dahin klarer zu werden. Unsere Fähigkeiten Gedanken zu visualisieren und darüber zu strukturieren, ist sehr weit entwickelt und auch für solche Themen hilfreich. Eine Vision in die Tat umzusetzen – nichts anderes sind Projekte. Und wir – wir sind die Spezialisten dafür :o))

Eigentlich hätte ich das gern gemeinsam erarbeitet.Er aber hatte vom Weg eine ganz konkrete Vorstellung, die er diesmal vorwiegend „abspulte“ und an die Wand brachte. Irgendwann beschloss ich, dies hinzunehmen und von seinem Wissensvorsprung einfach nur zu profitieren. Ich habe mich allerdings nicht „gesehen“ gefühlt dabei. Was soll´s – der Termin hat mich auf jeden Fall ein Stück weiter gebracht, wofür ich dem Kollegen in jedem Falle sehr dankbar bin. Er hat wohl vieles davon für sich bereits durchdacht … derzeit fehlt ihm für eine Umsetzung allerdings noch die Promotion. So sind wir wenigstens in der Zeit, in der ich hoffe meine Pläne umzusetzen keine direkten Konkurrenten.

Der Tag heute war sehr-sehr anstrengend. Unser Team besteht aus drei Gruppen von Kollegen: die erste Gruppe hat unsere ganze spannende und lukrative Tätigkeit überhaupt erst als Geschäftsfeld etabliert. Natürlich haben sich dabei bestimmte Dinge eingespielt. Eine kleine Gruppe „Nachrücker“ hat sich mit den Jahren eingefügt in dieses System. Nun wird das Gleichgewicht durch uns Neu-Kollegen erheblich durcheinander gewirbelt. Schon in der Kultur Dinge im Team zu erarbeiten prallen jetzt Welten aufeinander. Dabei müssen wir dringend gewisse „testamentarische Dinge“ regeln, denn unsere erfahrenen Kollegen sind inzwischen zwischen sechzig und siebzig Jahre alt. Wir können die gute Entwicklung nur indie Zukunft führen, wenn wir gewisse Dinge auf die aktuellen Entwicklungen anpassen. Dazu aber müsste man erst einmal klären, was jeder von uns an Erwartungen und Angeboten einbringt in das Miteinander. Das wäre eigentlich ein ganz normaler Prozess der Teambildung. So haben wir Neu-Kollegen bereits einen ganzen Tag investiert, um für uns diesen Schritt zu üben. Daraus hat sich der Vorschlag entwickelt, einen ganzen Tag unseresregelmäßigen Austausch´ für eine Teamentwicklungsmaßnahme zu nutzen und dies von einem externen Coach begleiten zu lassen.

Der Vorschlag war fundiert vorbereitet, sauber aus unserer aktuellen Situation abgeleitet, wohlwollend aufgesetzt in der Argumentation, ansprechend präsentiert … lockere 15 Minuten hat das in Anspruch genommen und gipfelte in dem Antrag einen solchen Work shop ausserhalb des Tagesgeschäftes zu organisieren.

Was dann an Provinzialismus folgte, mag ich nicht mal mehr im Detail beschreiben.
Geld ausgeben für uns? – nicht mit dem Geschäftsführer. (Pff, kleine Männer …Sorry, das musste jetzt auch mal gesagt werden) Teamentwicklung? – Wir doch nicht: besser als wir arbeitet keiner miteinander. Unsere jeweiligen Interessen und Themen herausarbeiten, clustern und priorisieren, um sie dann in Strategien und langfristiges Arbeiten hinüber zu begleiten? – Machen wir das nicht alles längst bereits in Perfektion und schon so viele Jahre erfolgreich? Ein externer Trainer? – Wir sind doch selbst die Spezialisten! Und überhaupt … dieses neumodische Zeug!

Dann ging es an das Kannibalisieren meines Vorschlags in Richtung „allein – immer mal eine halbe Stunde zwischendurch“ … und überhaupt ist es langsam Zeit mal endlich gründlich über das Formular 4711 zu diskutieren um voran zu kommen in unserer anspruchsvollen Arbeit. Ich könnte ja mit einigen der Neu-Kollegen einen Vorschlag erarbeiten unter diesen Prämissen … Da half es auch nicht, wenn eigentlich mehr als die Hälfte der Anwesenden inzwischen für einen solchen Vorschlag war. Und darunter erfreulicherweise einige der alt gedienten Kollegen.

Im Feedback am Abend wurde dann zwischen den Zeilen sogar sichtbar, dass den meistenüber den Tag klarer geworden war, wie beschämend unprofessionell und rüde im Umgang hier ein möglicherweise grundlegendes Kultur-Thema platt gemacht wurde, das uns bei jeder Gelegenheit eigentlich doch aus allen Knopflöchern heraus übel aufstößt und unsere Arbeit bereits im Ansatz behindert. Ganz zu schweigen von dem doch sehr offensichtlich herablassenden Umgang mit den Interessen Beteiligter.

Aus diesem Unwohlsein aus dem verkorksten Vormittag wird sich etwas entwickeln, beruhige ich mich inzwischen … und freue mich jetzt nur noch auf meine zwei Katzen, die zuhause auf mich warten.



Projektmanagement für Mediziner

1. Dezember 2007

Auch in diesem Kurzurlaub brennt mir die Zeit unter den Nägeln: Ich muss einen Fachartikel fertig stellen. Hinzu kommt, dass ich kurzfristig bereits für den Freitag dieser Ferienwoche zugesagt habe, einen erkrankten Kollegen zu vertreten, der im Rahmen einer MBA-Ausbildung Mediziner in Projektmanagement unterweisen will. Irgendwie muss sich das mit Urlaub vereinbaren lassen, hoffe ich noch auf dem Weg ans Meer.

Ich schaffe es nicht, mich speziell auf dieses Wochenend-Seminar vorzubereiten – vertraue ganz auf meine Routine und meine Fähigkeiten mich auf Erwartungen und Erfahrungshorizont der Teilnehmer einstellen zu können. Toll, dass ich es diesmal mit Teilnehmern in meinem Alter zu tun habe. Bewundernswert, wie sich diese Leute nach einer anstrengenden Woche Klinikalltag von Freitagabend bis Sonntagnachmittag noch zwanzig Unterrichtseinheiten lang mit betriebswirtschaftlichen Themen und eben mit Projektmanagement beschäftigen.

Ich überrasche sie offensichtlich damit, dass wir gleich einmal und gemeinsam Ziele für die nächsten zwei Tage Lebenszeit festhalten. Für mich sollen diese Tage vor allem wertvoll und lustvoll sein – auch darauf können wir uns einigen und beginnen mit der Arbeit. Ich zeige ihnen auf, dass Projektmanagement weltweit in zwei-drei wesentlichen Standards beschrieben ist, vermittelt und sogar zertifiziert wird. Wir werden in diesen Tagen die wichtigsten Themen aus dem GPM-Standard an einer Fallstudie erarbeiten. Die Mühen werden sich also einbetten in ein System anerkannter Standards. Ich gebe den Teilnehmern gleich noch eine Gliederung für ihre Belegarbeit mit, die sich genau an diesen Themen orientiert. Zum Schluss stellt sich heraus, dass dieser Ansatz aus Sicht der Teilnehmer ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Blockseminar sein wird.

Der „Bebauungsplan“ der Themen, an dem wir uns entlang hangeln, hängt an der Tafel. Pro Thema das gleiche strukturierte Vorgehen – Einführung in die Theorie, Erarbeitung des Themas in Gruppen anhand der Fallstudie, Präsentation der Lösungsansätze im Plenum, Auswertung der Ergebnisse und „Lessons Learned“. Das Thema kann im Bebauungsplan als „erledigt“ gekennzeichnet werden. So behalten alle die Übersicht und können den Fortschritt verfolgen. Dann das nächste Thema … immer wieder bietet sich Gelegenheit, die einzelnen Themen am erlebten Alltag der Kliniken zu reflektieren. Es wird deutlich, dass Projektmanagement kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug ist für kompetentes Planen und bewusstes Steuern ist – nicht viel mehr als gesunder Menschenverstand, nur eben ein Standard, mit dem sich Teams aus verschiedenen Spezialisten in kürzester Zeit auf gemeinsame Ziele und ein Vorgehen einigen könn(t)en. Und es wird auch klar, dass es sich um ein Führungskonzept handelt, dass seinen Erfolg in erster Linie der Qualität verdankt, mit der es Menschen umsetzen.

Es kostet zwar viel Kraft zehn Teilnehmer acht Stunden am Tag am lustvollen Arbeiten zu halten, aber es gelingt tatsächlich! Kompetenz als Wissen, Erfahrung und Leidenschaft … ich mag das und liebe diese Arbeit. Diese Liebe braucht es auch, denn bei dem Stundenlohn kann man diese Lehrtätigkeit nicht als Broterwerb betreiben.

Das Feedback ist einhellig positiv und wir alle wundern uns, dass wir doch jeden Moment Freude hatten an der gemeinsamen Arbeit. Ich habe noch dazu ein paar tolle Leute erleben dürfen und fahre nach diesem verrückten Wochenende beschwingt nachhause.



Auflösung: Phönix AG (Teil II)

30. Juni 2007

Der Umschlag liegt noch immer ungeöffnet auf meinem Schreibtisch.

Der Schreck, mich nun in der Revision zu sehen, war groß bei den Verantwortlichen - und bei meinem Chef ob deren Reaktion dann auch. Die erste Prüfung in meinem Kernthema wurde von anderen Kollegen betreut.

Die Einarbeitungszeit fiel mir schwer, weil es kaum Unterstützung gab. Als ich mich dann auch noch auf mehreren (teuren) Einführungsseminaren über deren schlechte inhaltliche und didaktische Qualität ärgerte, entstand das Konzept zu einem Standard. Hm, also mal wieder Standards definieren bzw. lebendig werden lassen!

Gelernt ist gelernt, so zu sagen. Auch Revision ist keine Hexerei! Auch wenn bisweilen ziemlich viel Nebel darum gemacht wird. Zum Jahresabschluss konnte wir den neuen Guide im Haus aushändigen. Er machte Furore! Es ist nicht typisch, dass Revisoren ihre Arbeit derart transparent machen, sich quasi öffentlich Standards setzen und auch noch aktiv Marketing betreiben für ihre Arbeit. Die Projektleiter konnten jetzt kurz und knapp nachlesen, warum und wie eine Revision arbeitet. Die ganze Aktion, die eigentlich als Beitrag zur Standardisierung gedacht war, wurde zunehmend als vertrauensbildende Maßnahme geschätzt. Schnell entstand weiterer Bedarf - es folgte die Entwicklung eines Seminars. Es war ein tolles Gefühl für mich, die beteiligten Kollegen an den ungewohnten Herausforderung “Marketing betreiben” und “Dozent sein” wachsen zu sehen. Wir wurden herumgereicht. Ich habe unsere Aktivitäten auch in einige Zeitschriften platzieren können. Einer solcher Vorträge sollte später der Auslöser werden für meine Entscheidung die Phönix AG zu verlassen.

Womit bei der Veröffentlichung des Guide keiner gerechnet hatte: Im Vorzimmer der Geschäftsführung - von uns über dessen Entstehen auf dem Laufenden gehalten - empörte man sich plötzlich. Wir hätten uns die Idee unrechtmäßig angeeignet und die Standardisierungs-Hoheit untergraben. Wir sollten die bereits verteilten ca. 200 Exemplare mit einem Entschuldigungsberief zurückziehen. Soweit kam es dann nicht. Aber es war nun schon das dritte Zusammenprallen …

Zum Glück lag die Verantwortung für das Projektmanagement inzwischen in anderen Händen - hatte wohl seinen Job als Karriere-Sprungbrett geleistet. Der Kollege wird in leitender Stellung nunmehr dafür zu sorgen haben, dass die Phönix AG übergabe-reif wird für die nächste anstehende Fusion. Der Personalchef von Continental hat mit ähnlichen Jobs unlängst eine steile Karriere hin zur Bahn gemacht. Im intracom ist seit Monaten an zentraler Stelle eine “Sprinter-Prämie” für Kollegen ausgelobt, die das Unternehmen freiwillig verlassen möchten. Das Angebot läuft aus - heute!

Aus der Arbeit dieser drei Jahre sind einige Fachveröffentlichungen geworden, auf die ich sehr stolz bin. Auch in der alltäglichen Prüfungsarbeit zeigte sich langsam, dass solche Arbeiten wesentlich zur Akzeptanz unserer Prüfungshandlungen - vor allem aber unserer Prüfungsergebnisse - bei den geprüften Bereichen und im Unternehmen beitrugen.

Jetzt, wo wir damit Erfolg hatten, hätten viele andere gern von Anfang an mitgemacht. Aber wir hatten es eben getan, als es noch ein Wagnis war. Um so größer war jetzt die Freude und der Stolz.

Ob unsere Bewerbung um einen Förderpreis eine Chance hat? Die Preisträger werden zum Jahres-Kongreß im Oktober eingeladen. Ob wir dabei sein werden …

Ich werde dann keine aktive Mitarbeiterin der Phönix AG mehr sein. Vor mir liegt auf dem Schreibtisch noch immer der geschlossene Umschlag - liegt der Auflösungsvertrag mit der Phönix AG. Das Angebot der Sprinter-Prämie läuft heute aus.

Ich werde den Vertrag nicht lesen müssen, seine Inhalte habe ich von einem Fach-Anwalt verhandeln lassen. Gut verhandeln lassen! Die Fächer im Büro habe ich an einem Samstag, an dem ich die Stille zum Arbeiten hoch über der Stadt sonst sehr genossen habe, bereits ausgeräumt. Die Schlüssel sind hinterlegt.

Schluß jetzt! Ich werde jetzt diesen Vertrag unterschreiben, die Zugangskarte mit in den Umschlag legen und alles zusammen gleich nachher noch an der Pforte der Phönix AG hinterlegen.

Die anderen Dinge hier in meinem neuen Büro können warten. Heute ist Abschied angesagt!

Auf mich wartet so viel Neues, Gutes! Auf mich wartet sozusagen die zweite Hälfte meines Lebens!

Und der Abend wird einen ganz besonderen Höhenpunkt haben - das Konzert von Barbra Steisand!

30. Juni 2007



Auflösung: Phönix AG (Teil I)

30. Juni 2007

Es ist Samstag. Die Zeitungen vom Morgen sind gelesen, vom Markt habe ich mir Blumen mitgebracht … Vor mir auf dem Schreibtisch der Umschlag - darin der Aufhebungsvertrag mit meinem bisherigen Arbeitgeber.

Ich sitze in dem Büro, das nun wohl meine Selbständigkeit bedeuten wird.

Als ich im August 2000 meinen Job in Berlin antrat, ging es darum das zentrale Projektmanagement aufzubauen, Standards zu etablieren. Das Unternehmen war mit ca. 400 Mitarbeitern überschaubar. Im darauffolgenden Frühjahr brachten wir einen kleinen Leitfaden heraus, etablierten die quartalsweisen Projekt-Reviews und die Präsentation von Status und Trends in der Projektelandschaft vor der Geschäftsführung. Ich bekam gerade ein Gefühl für das Erwartete und Machbare im Unternehmen, als mein Chef mich im darauffolgenden Sommer bat, als Leiterin des ProgrammOffice an den Vorbereitungen zur Fusion ins Niedersächsische mitzuarbeiten. Später sollte es auch darum gehen ein einheitliches und erfolgreiches Projektmanagement für die zukünftige Phönix AG zu etablieren. 

Wie ein Raumschiff Enterprise liegt das Firmengebäude in den Wiesen nahe der Messe. Fünf Firmen, fünf “Youngster-Geschäftsführer-Vertreter” an einem Spieltisch … von denen würde in den nächsten Jahren nur einer Karriere in der neuen Phönix AG machen. Und was für eine! 
Es waren sehr spannende Monate. N. arbeite in S., Sascha lernte und lebte die Woche über im Internat am See - und ich mehrere Tage die Woche im Hotel, nahe der Firma.

Als absehbar wurde, dass kein starkes Projektmanagement gefragt sein und mein Job der einer Büromaus sein würde, schied ich aus dem Programm aus. Nach der Fusion aller beteiligten Firmen auf den niedersächsischen Kern wurde ein Projekt aufgesetzt, welches genau dieses neue Projektmanagement entwickeln sollte. Der Job des Projektleiters wurde - ein Novum damals - unternehmensweit ausgeschrieben. Meine Bewerbung trug mir ein Gespräch mit dem neuen Geschäftsführer ein.

Am Abend vor dem Start-Workshop war ich in Berlin gegen 20.00 Uhr gerade aus dem Fitnesstudion die Friedrichstrasse und den Schiffbauerdamm entlang nachhause gebummelt, als mein Handy klingelte. Die Stimme am Apparat war sehr angenehm … ich verstand auch nach Nennung des Namens nicht gleich, dass ich es mit meinem Geschäftführer zu tun hatte. Er teilte mir mit, dass morgen ein Anderer als Projektleiter ernannt werden würde, und nahm sich Zeit für das Gespräch. Die Zusammenhänge erfuhr ich später von einem unmittelbar Beteiligten - der ehemalige Programmleiter aus dem Fusionsprojekt hatte am späten Nachmittag den Daumen über meiner Kandidatur gesenkt, die neue Projektleiterin musste förmlich überredet werden, zu kandidieren. Der Geschäftsführer bat mich noch, dem Projekt als Fachmann / Teilprojektleiter zur Verfügung zu stehen. Ich war ihm sehr dankbar, dass ich diese Nacht Informationsvorsprung hatte, bevor die Arbeit begann.

Mein Coach hatte mir damals dringend abgeraten. Ein halbes Jahr später flog ich aus dem Projekt: Ich hatte wiederholt und sehr nachdrücklich darauf hingewiesen, dass ein starkes Projektmanagement für eine Firma einer starken Organisation bedarf. Gerade diese war aber laut dem neuen Konzept nicht vorgesehen. Das saß jemand an gewichtiger Vorzimmer-Stelle, der die entscheidenden Ergebnisse eines solchen Projekts kassieren würde. Die Projektleiterin machte eine guten Job - aber die Ergebnisse wurden - erwartungsgemäß - kassiert. Jemand machte auf dem Projektmanagement-Ticket einen weiteren Karriereschritt. Ich aber war mitten im Fusionsprozess plötzlich ohne Job.

Im diesem Sommr wechselte ich in die Revision. Hier war ein neues Thema  ufzubauen. Dass ich plötzlich auf dieser Seite des Flusses auftauchte, sorgte für verdutzte Gesichter. Für mich entpuppte sich diese Wendung als Glücksgriff!