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Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Zwei Quartale im Hamsterrad

8. Mai 2009

Diese ersten beiden Quartale des Jahres 2009 - Es sind verrückte Monate in meinem Leben.Wo soll ich anfangen? Eigentlich war schon der Dezember verrückt: So voller Arbeit erst einmal, dann voller Leidenschaft und Aufregung in meinem Verhältnis zu Mischa. Der Ring bei unserem letzten Treffen vor Weihnachten und meiner Abreise nach Amerika. Die Tage mit Alex in New York … Silvester allein mit meinen Katzen.

Ich wollte es ruhig angehen lassen im Januar, aber dann der Schwelbrand.Es folgten viel Wochen Obdachlosigkeit und Rastlosigkeit, Zerrissenheit.  Seit Ostern nun diese Wohnung über den Dächern von Berlin! Bis Mitte Mai ist es nicht mehr als Camping in den eigenen vier Wänden. Die Nebengelasse der alten Wohnung warten auch noch darauf, ausgeraeumt zu werden. Irgendwo zwischen den Kisten findet mein 49. Geburtstag statt. Mit einem Überraschungs-Geschenk :o) 

Mischa und ich über „Miteinander leben“. Seine Frau und seine Töchter wissen jetzt, dass es da eine andere Frau gibt. Ich finde das sehr mutig. Er meint es ernst. Warum auch nicht, könnte man fragen, denn wir sind nun schon fast ein Jahr lang ein Paar.Aber wie viele Fälle gibt es, wo ein solches „Paar sein“ keine neue Qualität erhält, erhalten soll. Immer wieder fällt mir dann M. ein, die ganze fünf Jahre ihr Verhältnis gelegt hat – bis er nach seiner OP nun in den Unternehmer-Ruhestand geht. Die Reisen fallen weg – und damit die Rahmen für ihr Verhältnis. Ich denke oft an M. in Hamburg.Mischa und ich - Es ist wohl noch ein langer Weg, der da vor uns liegt. Ich empfinde seine Nähe als natürlich. Es fühlt sich ganz natürlich an, wenn ich ihn meinem Bruder vorstelle, wenn wir uns mit Freunden treffen.  Manchmal macht es mich traurig, dass ich so voller Widersprüche bin, was ihn und mich – vor allem unsere Zukunft – angeht. Es fühlt sich RICHTIG an, wie wir zusammen sind. Unaufgeregt, spannend, lustig, leise, sehr nah. Wie wir uns versorgen, versuchen uns und unsere Bedürfnisse zu sehen. 

Manchmal brauche ich Luft - Manchmal zerreist es mich fast, wenn er nicht da ist. Und doch bleibt da ganz tief drinnen in mir der Verdacht, ich könnte mir unsere Beziehung „gut reden“. Weil ich so lange allein war? Weil ich Torschlusspanik fühle? Weil er mir gut tut! Weil zu zweit sein auch Sicherheit bedeutet? Weil ich Erfüllung ziehe aus unserem Miteinander! Weil ich dies nicht allein aus mir selbst heraus schaffe? Wenn ich nur ein Gefühl für meine echten Bedürfnisse hätte!! Ich traue mir selbst nicht. Und das in meinem Alter!!! Er hat inzwischen ein kleines Ritual darauf gemacht, mich zu fragen ob ich mit ihm leben will. In all dem Auf und Ab tut mir dieses Ritual sehr gut. Die letzten Wochen hat mich meine Kraft verlassen. Dann kam noch eine schlimme Ekältung hinzu. Meine Arbeit im Vorstand ist fast zum Erliegen gekommen. Überall liegt alles herum – dienstlich wie privat. Es dauert schon Wochen sich nach und nach einzurichten. Die bestellten Geräte und Baumaterialien rudeln erst gemächlich ein. An allen Ecken und Enden fehlt mir ein Handwerker mit Hausmeister- Qualitäten!! Das Geld rinnt durch die Finger! Gerade einmal die nötigsten Dinge erledige ich – die laufenden Jobs sind vor - und nachzubereiten. Vom halbwegs vertretbaren Bestreiten der Termine mal ganz abgesehen :o) Ein paar strategische Dinge waren zu erledigen: Die Beteiligung an einer Ausschreibung in München. Die Bewerbung um eine Professur. Ich weiß, dass ich den Zuschlag nicht erhalten werde. Aber: Es ist so wichtig, solche Dinge zu TRAINIEREN! Einfach, um für den Fall der Fälle aus dem Stand heraus fit zu sein. 

Dann passiert es tatsächlich. Morgens im Zug nach Hamburg klingelt das Handy. Ich hatte gehofft, Mischa würde anrufen und bin eigentlich traurig. Eine Berliner Festnetznummer, so früh am Morgen? DAS passiert - SO EIN MOMENT. Ein Kollege, wie ich damals ausgeschieden, hat mich im Internet gesucht und will mich einbeziehen in eine Ausschreibung zu meinem Fachthema. Ich bin freundlich interessiert, bedanke mich artig für die aufschlussreichen Details zu den Erwartungen an ein Angebot. Danach geht der Puls!!! Von einem Moment auf den anderen ist mir heiß! Wenn ich diese Ausschreibung gewinnen sollte, wäre das ein echter Durchbruch. Darauf hatte ich doch gehofft!!!! Nun steht auch diese Arbeit an in den nächsten Tagen. Auf den Punkt genau fit sein … es macht Spaß. Und es kostet zunehmend Kraft. Zwei Quartale, ein Halbjahr: Viel Aufregung – fast immer existenziell. Viel Arbeit; fast mehr als ich verkraften kann. Mit den Aktienfonds viel Geld aus den Abfindungen eingebüsst. Eine neue Wohnung eingerichtet und auch dabei viel Geld verloren. Die Liste dessen, was nach dem Brand nun doch nicht mehr zu retten sind, wird immer länger.  

Zwei Quartale, ein Halbjahr: Abgebrannt, ein neues Zuhause gefunden und dies genießen lernen. Dienstlich immer noch und schon wieder gefragt und nachgefragt zu sein.Die Scheidung auf den Weg gebracht … im 25. Ehe-Jahr. Nun ist auch noch der Laptop kaputt und damit meine Arbeitsgrundlage dahin. Schnell in den Wellness-Urlaub mit dem Laptop – ich setze mich derweil nach Amerika ab. Alex erhält ihr Diplom. Danach wieder viel Arbeit - Mit etwas Glück erreiche ich zur Jahresmitte den gesamten Vorjahres(!!)umsatz.  Mit dem Liebsten inzwischen „tageweise“ Mit-einander-Leben üben :o).

Bald auch die Tochter wieder in Europa.  Zwei Quartale Leben im Hamsterrad – mit glücklichem Ausgang?!



Charlie Chaplin - Einsichten zum 70. Geburtstag

24. März 2009

Als ich mich selbst zu lieben begann,

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.
Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN!

Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959



Lieder: Steig ein (Cäsar)

22. März 2009

im wartesaal macht der abend sich lang
im wartesaal auf der harten bank
ich frag mich grad wo mein bummelzug bleibt
als du vor mir in den d-zug steigst
ist nur ne ahnung aus ferne und staub
ich renne quer übers gleis und springe auf
der schaffner pfeift und ich bin zum glück drin
in deinem zug nach werweißwohin
steig ein - sag ihr daß sie schön ist
steig ein - ganz egal wohin es geht
steig ein - wirst schon sehn was kommt
steig ein - in den zug oder nie

in diesem zug ahne ich irgendwas
was ich im trott übern tag vergaß
in diesem zug träum ich durch den waggon
auf einer tour ohne endstation

steig ein …

schau nicht nur trau dich alles ist drin
auf nach werweißwohin

steig ein …

Cäsar Lyrik, Komp. Peter Gläser, Text: Alfred Roesler 



Mama / Tochter … emanzipieren

13. März 2009

Liebe Mama,
wir haben das alles bereits besprochen und so langsam werde ich wuetend. Schon seit drei Jahren kaempfe ich mit dem Gefuehl, dass nichts was ich bisher auf meinem Lebenslauf erreicht habe meines ist.

Ich hatte mit dir darueber geredet. Auch wenn du das anders sehen magst, es ist mein Gefuehl und es hat sich bisher nicht geaendert. Ich hatte dich um eine Sache gebeten und zwar deine Finger aus meiner naechsten Jobplanung zu lassen.

Ich habe das ueber die letzten Monate sehr nett gesagt und dass du mir solche Emails nun sendest macht mich einfach nur noch wuetend, da du meine Aengste, die mit MEINEM Leben zusammenhaengen, ignorierst.

Ich halte es nicht fuer schlecht, dass du fuer mich mitdenkst und generell Informationen sammelst, doch ich hatte dich ausdruecklich gebeten mich allein zu lassen mit der Planung bzgl meiner Zeit nach George Mason. Es ist meine Entscheidung!! Egal was und selbst wenn ich Lust habe einfach nur als Kartenstempler zu arbeiten. Es ist meine Entscheidung.

Du bist sehr present in meinem Leben, zu present. Ich bin alt genug selber zu entscheiden was ich mit meinem Leben anfangen will,selber zu entscheiden welche Maenner ich daten will, in welchem Bereich ich arbeiten will, wann ich nach Arbeit suchen will, ob ich Tattoos haben will, ob ich Drogen nehmen will, mit welchen Leuten ich befreundet sein will, was meine Hobbies sind, wie ich mich kleide, rede oder mit anderen Menschen umgehen will ……oder was auch immer noch.
Es ist mein Leben. Und du bist nicht mehr dafuer zustaendig mir in mein Hirn zu kloppen was zu tun ist und ich muss nicht mehr springen wann du es fuer richtig haelst. Du bist ‘nur noch’ dafuer zustaendig mich auf meinem Weg zu unterstuetzen und mir Rat zu geben wie du es machen wuerdest, wenn ich dich darum bitte. Es ist mein Leben und ich habe dich ausdruecklich gebeten mich mit der Planung meines Lebens nach der Uni in Ruhe zu lassen. Ich habe dich nicht darum gebeten, weil ich nicht darueber nachdenken will (lass das mal meine Sorge sein), sondern einfach weil ich in mich allein hineinhoeren will. Und durch deine staendige Praesenz bzgl Emails und Ideen, durch dein staendiges Lenken in eine Richtung, kann ich meine eigene Bauchstimme nicht hoeren. Es ist mein Leben, Mama. Und sollte ich mich entscheiden in eine Kommune zu ziehen oder fuer eine Nonprofit Firma zu arbeiten, ist das eine Entscheidung, die du akzeptieren musst. Du musst nicht mein Leben leben, ich muss es. DU kuemmer dich mal darum, dass du dich wieder wohlfuehlst in deinem eigenen Leben. Mir geht es momentan im allgemeinen sehr gut mit meinem Leben und weisst du warum: Weil ich mich jeden Tag selbst entscheide Dinge zu tun oder zu unterlassen. Es ist meine Entscheidung.

Du hast mich mein Leben lang gepraegt und du weisst, dass ich nie etwas tun wuerde was schelcht fuer mich ist. Doch es kann nicht sein, dass ich permanent Angst haben muss etwas zu tun, was dir misfallen koennte. Es ist MEIN Leben. Und dass ich denke, dass du boese wirst, haengt nicht damit zusammen, dass ich mir das alles nur einbilde und dass nichts von dir kommt. ES KOMMT VON DIR!!! DU schreibst diese Emails obwohl ich dich gebeten hatte mich das selbst machen zu lassen, DEIN erster Satz als ich von Jeff erzaehlt hab war: Der passt nicht zu dir (und da hatte ich noch nichts erzaehlt), DU mochtest Wolf nicht, DU meintest Business sei gut fuer mich als Richtung…Gott, ich kenne so viele Dinge in meinem Leben, die DU gelenkt hast. Und anstatt boese zu sein oder komplett abzuschotten um mich selbst und MEINE EIGENE MEINUNG zu finden, bitte ich dich einfach mich, mich finden zu lassen und DU musst diese Emails senden, die mich shcon wieder in eine Richtung draengeln.

Du kontrollierst mich durch deine Aura und deine Skepsis. Bevor du jetzt boese wirst, bitte ich dich dich kurz daran zu erinnern wie du dich bzgl deines Vaters fuehlst, aehnlich fuehle ich bzgl dir. Du bewertest mich staendig ob Haare, Wissen, Taetigkeit, Kontakte, Sprache….. Ich hatte dich um eine Sache gebeten: Mich selbst entscheiden zu lassen wann ich Informationen sammeln moechte fuer meinen spaeteren Job, in welche Richtung ich suchen will usw. Du ignorierst das und bewertest damit meine Bitte um ein eigen gestaltetes Leben.
So viele Leute gehen durch eine Midlife-Crisis wenn sie 30/40 sind und muessen hinterfragen wer sie eigendlich sind. Ich will das nicht. Ich habe momentan die besten Startpunkte um jetzt schon herauszufinden was ich eigendlich will und wer ich eigendlich bin. Ich will das frueh schaffen, damit ich noch einlenken kann. DU hattest mich damals ueberredet Business zu studieren und es war damals richtig so. Jetzt muss ich herauskriegen ob ich das eigendlich bin. Wann, wenn nicht jetzt mit Degree in der Hand, Stipendium und so jung????! Andere stolpern im Studium ueber Ich-fragen und brechen ab, orientieren sich neu usw. Ich will ganz rational mein Studium zu Ende bringen, mich hinsetzen und in mich reingucken. Doch du musst permanent an mir ziehen….

Ich bitte dich dass du bevor du wieder wuetend wirst (wir hatten all diese Diskussionen bereits) mti Mischa daruber redest. Er hat Maedels anders grossgezogen als du und aus denen scheint auch was geworden zu sein auch wenn ich es komisch finde, dass viele beruflich aehnliche Wege gegangen sind wie die Mutter (wenn cih das richtig im Kopf habe). Ich werde NICHT deinen Weg einfach mehr gehen, ich will meinen eigenen finden.

Und ich denke die Zeit, die du in diese Emails gesteckt hast, um mein Leben zu lenken, haettest du besser in deine eigene Lebensplanung stecken sollen bzgl WOhnugn finden, emotional stabil werden usw!!!

Ich bin gut, Mama!!!! Ich moechte mein Leben selber gehen und auf dich zurueckkommen, wenn ich einen Partner brauche und nicht weil du mich zwingst, indem ich nie gelernt habe selber groesse Entscheidungen zu treffen. Und ich werden nach einem guten Job nach dem Studium suchen, doch dann WANN es fuer mcih richtig ist. Wenn du Angst haben solltest wegen finanziellem Hintergrund. Ich kann mich selbst unterstuetzen!!! Andere junge Studienabgaenger gehen auch in einer Bar jobben, wohnen bei Freunden zur Untermiete. Ich kann das auch alles. Solange es endlich mein Leben ist, mache ich alles.

Ich weiss du willst nur das Beste, doch das Beste in deinen Augen fuer deine Tochter ist nicht das Beste in meinen Augen fuer mich!!!!Ich will nicht mit 40 feststellen dass ich mein Leben nur fuer meine Mutter gelebt habe.

Du bist fuer dieses Kapitel nicht mehr zustaendig und ich habe alles in mir, um meinen Weg selbst erfolgreich zu finden. Und erfolgreich heisst erfolgreich in meinen Augen und nicht in deinen.
Ich liebe dich.
Deine Tochter


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Lieder: Schlaf (Silly)

8. Februar 2009

Lass den Kopf ruhig hängen,lass den Tränen ihren Lauf.
Es wird dir nichts geschehen,
ich passe auf dich auf.

Lass die Bomben ticken,

lass die Wölfe heul`n.
Sie werden dich nicht finden,
hier kannst du wehrlos sein.

Schlaf, schlaf - sei brav und schlaf,

du wirst sehn, wie gut das tut.
Schlaf, schlaf mein Prinz - sei brav und schlaf.
Über Nacht wird alles gut.

Komm, mein müder Krieger,

gib mir deinen Mund.
In den kühlen Kissen
mach ich dich gesund.

Morgen bist du wieder

bärenstark und schön.
Dann wirst du mich verlassen,
und deiner Wege gehn.

Schlaf, schlaf - sei brav und schlaf …

Einmal werd ich nach dir rufen

in so einer eisgrauen Nacht.
Dann komm und tau mir die Seele auf
und gib mir von deiner Kraft.

Schlaf, schlaf - sei brav und schlaf …



Leere

6. Februar 2009

In mir ist eine einzige große LEERE. Die Beine sind schwer, nur mit Mühe gelingen mir die einfachsten alltäglichen Handgriffe. Ganz nass bin ich von den ganzen Tränen, die mir einfach so die Wangen herunter laufen, wann immer ich mich einen Moment unbeobachtet fühle. Was da leer ist – war das mal voll? Ist man voll und wird dann leer – oder, ist man leer und dann füllt sich etwas? Was füllt einen Menschen? Das muss doch etwas Wertvolles sein!?Was passiert, wenn etwas entwertet wird? Was lässt es passieren, dass es leer wird? Machen das die Menschen um uns herum? Macht man das selbst? Spürt man das, wenn da etwas ganz tief drinnen weniger wird? Ab wann spüren das die Anderen? Kann man machen, dass die Leere weniger wird? Dass sie aufhört? Dass sie nicht so wehr tut, nicht so traurig und mutlos macht? Schafft man das allein? 

Ich möchte so gern „nachhause“! Aber, wo ist das – das „Zuhause“? Wie fühlt sich „zuhause“ an? Wie (be)hält man, was einem wichtig ist? Ich bin froh, die Katzen in der Pension gut aufgehoben zu wissen.Für mich und heute wird eine Luftmatratze hier im Büro genügen. Ein Schlafsack.Camping mitten in Berlins Mitte. 

Ich bin arbeitsfähig und gut gebucht – was will ich mehr?! Vielleicht findet es sich ja noch – ein „Zuhause“ für mich.Wenn es da, werde ich es hoffentlich spüren. 06.02.2009 21:00



Münchner Jahre: Start in Gröbenzell

21. Januar 2009

München. Es ist noch Zeit für „meine“ einschlägigen Schuhe-, Tücher- und Taschengeschäfte. Für den Abend steht ein Vortrag an. Morgens im Berliner Büro noch schnell den Koffer von einer Dienstreise zur anderen umpacken; Auf der Fahrt ein paar „to do“s zügig abarbeiten. Dann in München die routinierte Kurztour – diesmal sind es ein pinkfarbenes Paar Pumps und schwarze wildlederne Halbstiefelchen … Nach drei Kaffee im Zug und diesem „Jagderfolg“ hat sich meine Stimmung im Vergleich zur Weltschmerz-Attacke am Morgen deutlich aufgehellt. 

Mit der S4 geht es nach Olching. S4 – „meine S-Bahnlinie“. Mit dieser Bahn bin ich zwei Jahre lang nach Gröbenzell gefahren: Es war mein erster Job „im Westen“; nach der Einheit. Die Arbeitszeit begann schon um 06:00 Uhr. Der Chef war Frühaufsteher und mir war es auch recht, denn so konnte ich Alex (meist noch) rechtzeitig bis 16:00 Uhr aus dem Kindergarten abholen. Das bedeutet fast drei Stunden Fahrtzeit am Tag.Wie aufregend das war damals! N. hatte ein kleines Auto gemietet und war mit mir in den Westen von München gefahren. Während des Vorstellungsgesprächs – zunächst mit dem Assistenten – wartete N. voller Anspannung vor dem Gebäude im Industriegebiet. Um die achtzig Bewerbungen hatte ich geschrieben. Meist wurde ich als überqualifiziert abgelehnt. Dann diese Chance – quasi auf Vermittlung eines potenziellen Arbeitgebers, der mich selbst dann doch nicht einstellen konnte. Das Bewerbungsgespräch mit dem Chef selbst, in seiner Villa am Starnberger See – das ist eine ganz eigene Geschichte. 

Hier habe ich gelernt, Mails zu schreiben und mit Textverarbeitung umzugehen, zu telefonieren. PowerPoint-Präsentationen kamen wohl erst später dazu. „Frau Doktor zum Diktat bitte …“. Das war eine komische Erfahrung. Aber ich habe viel gelernt, gute Arbeitsbedingungen gehabt, etwas über den Umgang mit Kunden und über Marketing gelernt; und Kontakte geknüpft. Aus diesen Kontakten heraus hatte sich das Bewerbungsgespräch meines Vaters in Karlsruhe ergeben. Auch meinem nächsten Arbeitgeber konnte ich mich zufällig einmal bereits „in action“ präsentieren, ohne dass es beiden Seiten damals bewusst war: Als der bestellte Dolmetscher für einen juristischen Fachvortrag des monatlichen Stammtisches nicht erschien, wurde ich genötigt einzuspringen … in meiner Not improvisierte ich und veranstaltete mit dem versammelten Publikum ein fröhliches Rätselraten um juristische Fachbegriffe. Naja, wer kennt schon solche Begriffe wie Insolvenzrecht! In Russisch! Später erzählte mein Arbeitgeber mir, dass meine Spontanität und mein Charme ihn – über die offensichtliche Unkenntnis dessen hinweg, was ich da zu dolmetschen gehabt hätte – so nachhaltig beeindruckt hätten, dass er meine spätere Initiativbewerbung nicht wie die anderen einfach beiseite gelegt hatte.  

Einmal - beim Empfang des ukrainischen Ministerpräsidenten durch seinen bayerischen Amtskollegen - hätte es beinahe einen Eklat gegeben, als ich die Fragen meines Arbeitgebers ins Russische übersetzte. Ins Russische, nicht ins Ukrainische! Der ukrainische Ministerpräsident selbst jedenfalls lachte herzlich über die Irritationen des Protokolls … er beherrschte doch selbst kaum die neuerdings verbindliche Landessprache, stammte er doch aus dem russisch dominierten Teil der Ukraine. 

Damals, an einem Nachmittag und kurz vor Verlassen des Gebäudes, nahm mit einem Anruf meine Nebentätigkeit im Bereich Übersetzen ihren Anfang … es ging um einen Produktkatalogs von Telefonen, der sprachlich für den russischen Markt aufzubereiten war. Später waren es dann Banknotenbearbeitungsmaschinen (Mehrfarbenstahltiefdruck!! :o)). Dann die technische Fachdokumentation für den russischen Abfangjäger. Am Ende der Münchner Jahre kam noch die sprachliche Betreuung einer Studie zu einem Militärtransporter hinzu. Es gab ihn schon im Osten – die untersuchten Möglichkeiten zur Zusammenarbeit hätten diesem Gerät den europäischen Markt und den deutschen Partner eine führende Rolle in der europäischen / internationalen Luftfahrt eröffnet. Es war wohl von Beginn an klar, dass ein solches Projekt schon aus politischen und wirtschaftspolitischen Gründen nicht würde stattfinden dürfen. Meinem kleinen Büro hat dieser Auftrag zur sprachlichen Betreuung der Studie noch kurz vor der Abreise aus München eine Betriebsprüfung beschert. Auch so eine Erfahrung! Heute früh schreiben die Zeitungen, dass sich das (west)europäische Projekt um weitere Jahre verzögern wird. Der Sprachendienst von damals ist längst aufgegangen in einer GmbH mit Sitz im Herzen von Berlin – sie kann im dritten Jahr ihres Bestehens einem Umsatz von 600.000 € aufweisen und hat dreieinhalb Arbeitsplätze geschaffen.  

Es war eine wichtige, eine gute Zeit. Wir haben unsere Chance gehabt! Chancen zum beruflichen Neuanfang. Chancen in jeder Hinsicht: Einmal dem Einfluss der Schwiegereltern entkommen, hatten wir nach der Einheit mit dem Umzug nach München auch als Paar und als Familie eine schöne Zeit. Wir haben unsere Chancen genutzt! Daran denke ich immer wieder gern. Voller Dankbarkeit! 

Nach dem abendlichen Vortrag bitte ich den Veranstalter noch kurz an meiner ehemaligen Firma vorbei zu fahren. Ich erkenne das Gebäude wieder. Da oben – das Fenster ganz links im Obergeschoß, über dem Lagerraum der Firma Seyfried … Da, da war mein Arbeitsplatz. Im Gebäude gegenüber, wo sich früher die Labors befanden, hat heute lustigerweise die Trainings- und Beratungsfirma des Veranstalters ihren Sitz. Kein Schild erinnert mehr an meinen damaligen Arbeitgeber.     

Es ist spät geworden. Die Taschen mit den Einkäufen und dem Danke-Präsent für den Vortrag sind schnell verstaut. Abschminken. Laptop und Handy gehen ans Netz. Der Wecker ist auf 06:30 gestellt. Morgen geht es gleich früh ins Büro. Ab in den Schlafanzug. Bei meiner aufziehenden Erkältung lieber zwei Decken, bitte. Ja! Das Frühstück bitte morgen gern ans Bett!  

Ich lösche das Licht und ziehe die Gardinen auf … der CityNightLiner trägt mich durch das nächtliche Land in Richtung Norden; in den Nordosten :o).



New York: Weihnachten mit Alex (I)

4. Januar 2009

Hallo meine liebe Pia, ich kann mich noch an Deinen Anruf auf meiner Mailbox erinnern.Inzwischen ist schon wieder so viel Zeit vergangen. Und so viel passiert :o))Laß uns telefonieren, damit ich weiß wie Ihr Weihnachten und die freien Tage verbracht habt.  

Die Woche mit Alex in New York war sehr berührend für mich. Wir haben viel unternommen, viel geredet. Und - wir haben uns natürlich auch gestritten. Wir sind uns wohl zu nah, um einfach so mit einander auszukommen.   

Sie wirft mir vor, dass in mir eine so große Traurigkeit ist. Und dass diese ihr Angst macht. Dass ich nicht stark bin. Dass N. auch diese Traurigkeit in sich trägt. Dass ich nicht stark bin, dies aber vorgebe zu sein. Dass ich meinen Platz im Leben wohl noch immer nicht (wieder) gefunden habe. Dass ich ihr mit meinem Staunen und meiner Distanz zu dem, was ich dort erlebt habe, das Amerika kaputt mache, in dem sie doch mit so viel Mühe gerade erst etwas Fuß gefasst hat. Ich weiß, dass sie damit - mit beidem - recht hat. Alles war so laut. Dabei waren viele Geräusche einfach nur Müll! Auch in der Stadt schien mir alles so trash-ig, so ganz ohne Nachhaltigkeit gedacht. Überall stehen in den Geschäften und in der Bank ein Haufen Leute herum, die vorgeben total beschäftigt zu sein … und eigentlich nur herum stehen bzw. sich in ihrer Eile selbst im Weg sind. Hier kann man untergehen, ohne dass auch nur ein Mensch davon Notiz nimmt. Ich würde mich hier fühlen, wie ein Staubkorn. Beliebig. Vielleicht hat das damit zu tun, dass die Menschen sich ihre eigenen national-ethnischen Welten schaffen in dieser Stadt. Man sagt, sie verlassen sie auch nicht, um an der großen Welt darum herum teilzu nehmen. Alex hat mir Chinatown gezeigt. Es expandiert derart, dass wir vom angeblich benachbarten Little Italy kaum noch etwas vorgefunden haben. Die NYer gehen hier wohl nur her um Essen oder in Clubs zu gehen. 

Wir hatten uns in einem Drei-Sterne-Hotel in New Jersey City einquartiert. Der Vorortzug ist ein verlässliches und schnelles Verkehrsmittel. Das Besteck im Frühstücksraum des Hotels - aus Plastik. Die Teller und Becher - aus Styropor. Alles landet nach Gebrauch in einer riesigen braunen Abfalltonne gleich im Raum. In den Restaurants und Cafes ist es auch nicht viel anders. Sicher kommt es auf die Preislage an, in der Du einsteigst in diese Welt. Das Dinner auf dem Schiff war ausgesprochen gut, der Service aufmerksam und freundlich. Meine Mama hat davon erzählt, dass mein Bruder mit seiner Frau bei ihrem NY-Urlaub morgens nicht mal im Pullover den Frühstücksraum betreten durften …  

Im Zimmer unseres Hotels brummt entweder die Heiß-Lüftung oder der Kühlschrank - oder das Lüftungssystem von draußen setzt noch einen drauf. Das Haus ist hellhörig und völlig überheizt, auch wenn wir die Heizung auf Null gedreht haben. Die Fenster kann man über die Nacht nicht offen lassen, weil an ihnen die Feuerleiter vorbei führt. Zwei TV-Geräte bieten zwei verschiedene Programme. Die Frauen in den Filmen haben in meinen Ohren eine gereizte, unnatürliche Tonlage (wie unsere Russinnen früher). Die ständigen Werbeunterbrechungen in den Filmen und Sendungen wirken auf mich distanzlos und lassen mich aggressiv werden. Nirgends ein Beitrag zum Denken oder Verweilen. Nirgends kommst Du irgendwie zur Ruhe - und zu dir selbst. Und irgendwie sieht es überall so aus, als würde es sich um halb verlassene Kulissen aus einem New York Film handeln ….  

Die Stadt New York selbst haben wir ganz unterschiedlich erlebt. Wunderschön die Schiffsfahrt am Weihnachtsabend um Manhattans Südspitze herum und unter der erleuchteten Brooklyn Brigde (wie schreibt man das? :o) hindurch. Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages war der Himmel königsblau, die Luft kalt und sauber - und die Stadt menschenleer. Wir sind hinaus gefahren und dann über die Brücke zu Fuß nach Manhattan zurück. Wir waren auf der Aussichtsplattform des Rockerfeller-Centers.  

Am meisten berührt aber hat mich unser Spaziergang durch den verschneiten Central Park. Es ist toll, wenn eine Stadt sich einen solchen Park leistet. Es sieht alles wirklich so aus wie im Kino :o)) Manche Parkbänke haben kleine Metallschilder mit Namen der Sponsoren … und mit wunderschönen Erinnerungen an Personen.  

Die ganzen Tage über hat Alex meine Hand in ihrer gehalten. Sie hat sich wegen ihrer Höhenangst sehr überwinden müssen, mich auf das Rockerfeller-Center und auf das Empire-State-Building zu begleiten … und hat es doch getan. Dabei haben wir wieder unseren alten Trick angewendet … wir sind einfach deutlich früher aufgestanden als andere Touristen und mussten nirgends lange auf Eintritt warten :o) 

Wir haben uns die Stadt vom Oberdeck eines hop-on-hop-off Busses angesehen … und uns fast die Ärschel abgefroren dabei :o)). Wir haben uns die Füsse so müde gelaufen, dass wir zwischendurch einen Tag pausieren mussten. Wir haben eine deutsche Fleischerei besucht, den uns eine Deutsche im Vorortzug empfohlen hatte, und einen Bagel-Laden, auf den einer unserer beiden Reiseführer speziell hingewesen hatte. Wir haben in einem französischen (?) Restaurant “Blue Orange” in einem dieser Szeneviertel ein tolles Steak gegessen.  

Ein Blick auf den Ground Zero war nur noch aus dem Frühstückscafe des benachbarten Hilton-Hotels möglich - aber nicht weniger beeindruckend. Im Guggenheim-Museum haben wir mit dem Rundgang ganz oben begonnen und uns dann gemütlich in der Spirale nach unten treiben lassen. Am meisten hat mich allerdings beeindruckt, wie teuer dieses Grundstück so direkt am Central Park gewesen sein muss :o)Wir sind zur Freiheitsstatue hinüber gefahren. Davon war Alex noch viel weniger berührt als ich. Ellis Island hingegen hat uns interessiert.  

Wir wollten eigentlich shoppen und sind die Szeneviertel auf und ab geschlendert. Ich habe nichts spezifisch New Yorkerischen finden können. Meist sind wir an Ladenketten vorbei gelaufen, in denen immer die gleichen Kleider und Schuhe angeboten wurden. Aus meiner Sicht war das meisten davon dazu noch Trash - für einen Tag gemacht. Nach den U-Bahnen von Moskau, St. Petersburg, aber auch Berlin & Co, hat mich die alte, düstere U-Bahn-Welt von New York berührt. Auf der einen Seite ist da das Erstaunen, wie man sooo viele Leute jeden Tag transportieren kann. Auf der anderen Seite ist diese Düsterkeit, der Lärm und die langen Gänge ..Das berühmte Kaufhaus Bloomingdale war spießig und langweilig, Macy´s für mich überfüllt und eigentlich auch beliebig. In einem Outlet-Store irgendwie fast ausserhalb haben wir uns jeder ein Paar Stiefel gekauft.Im viel gerühmten Feinkost-Geschäft Dean & DeLuca kam ich mir vor wie im Käfer-Outlet am Standrand von München. Erst am letzten Tag haben wir auf der Christopher Street ein sehr interessantes und sexy-Kleid für Alexandra gefunden. Sie wollte es zur Silvester-Party mit ihren Freunden in Washington D.C. tragen.   

Die Grand Central Station war schön! Ich mochte die Weite der Halle schon in den Filmen. Es war toll die Eingangstore zu den Bahnsteigen zu sehen … wie man dann letztlich zu den Zügen gelangt, ist schon wieder abenteuerlich unorganisiert und nur hektisch. Es gibt dort auch eine Feinkost-Etage. Der deutsche Wurstladen wird von einem Herrn Kogin (!) geführt :o)) Alex hat mir zum Naschen ein paar sündhaft teure chilenische helle Kirschen gekauft! Meine Lieblingskirschen!! In einem New Yorker Bahnhof - an Weihnachten! Das toppen nur noch die Erdbeeren, wie sie leuchtend rot abends kurz vor Weihnachten 1989 am Stand des türkischen Händlers am Schlesischen Tor in Kreuzberg im warmen gelben Licht lagen .. und wie sacht in großen Flocken der Schnee auf sie fiel. Damit verbinde ich meinen ersten Besuch im Westen!  

Wenn ich an unsere Reise nach St. Petersburg denke, fällt mir ein, wie böse Alex immer reagiert hat, wenn ich auf meinen BlackBerry schielte und auf Nachrichten von Mischa wartete. Diesmal haben wir (um die Wette und im lustigen Wettbewerb) nach den SMS unserer Liebsten geschaut und wild zurück ge-sms-t :o)). Ich an Mischa - sie an ihren JEFF! Ja ja … Ich verdränge den Gedanken, dass es Jeff betreffend mehr sein könnte als eine gute Zeit in Amerika. Was bleibt einem als Mama anderes übrig für den Moment?! Alex selbst sagt, sie hätte einen Hang zu “etwas grober angelegten prolligen Typen” … und das sie ihren eigenen Vater auch so sehen würde. Oh je! Das bringt mich zum Nachdenken - über mich und meinen eigenen Geschmack :o)Mischa hatte mich bei unserem letzten Treffen vor Weihnachten mit einem kleinen wunderschönen Ring überrascht: Ganz schlicht finden zwei goldene Ende zusammen und verbinden sich an einem blitzenden Stein. Damit hatte ich nicht gerechnet! So bin ich jeden Tag wieder neu gerührt - und habe die Überraschung dieses Jahres und die damit verbundenen lieben Gedanken überall bei mir :o))



New York: Weihnachten mit Alex (II)

4. Januar 2009

Pia, wie hat man uns damals “einfach so” in ein fremdes Land fahren lassen? Wer hat Dich gefragt, wie Du damit zurecht kommst? Hat Dich jemand zuhause gefragt, wie es Dir dabei geht?? Ich bin so selbstverständlich damit umgegangen, erzähle manche Geschichten aus dieser Zeit so gern weiter. Velleicht bleib in den fünf Jahren, die wir in Russland verbracht haben, auch mehr Zeit sich ein zu gewöhnen und Fuss zu fassen? Erst jetzt, wo ich mein Kind in diesem fremden Land erlebe, stelle ich mir die Fragen, in denen es um mich geht … War es wirklich alles so, wie ich es mir zurecht gelegt habe? Hat es nicht vielleicht damals schon damit begonnen, dass ich immer nur versucht habe, alles so gut wie möglich zu schaffen. Haben wir nicht manchmal einfach nur ÜBERLEBT?? Haben mich meine Eltern wirklich nie gefragt, wie es mir dabei geht? Und: Wie ging es mir eigentlich??Die Briefe aus dieser Zeit habe ich in einer großen Bananenkiste verklebt über die Jahre durch alle Ortswechsel hindurch mit mir geschleppt. Im vergangenen Sommer habe ich die Kiste ausgepackt, N. seinen Anteil an den Erinnerungsstücken geschickt. An die Verleihung des Aktivisten, den anschließenden Ball und den Tanz neben Erich :o) kann ich mich noch erinnern. Ich hatte mir dazu eine königsblaue weiche Wollhose und eine Bauwollbluse mit eingearbeiteten Spitzen gekauft :o)Die Briefe meiner Eltern und meine eigenen habe ich nun in einem Ordner zusammenfasst stehen. Mal sehen, wann ich sie lesen möchte. 

Alex hat mir zum Weihnachtsfest eine Stunde Foto-Shooting mit Yuka, einem Bekannten aus Istanbul, geschenkt. Auf diese Bilder freue ich mich sehr. Yuka ist fast dreißig und will sich in NY als Fotograf etablieren. Die Kamera muss er sich noch borgen. Er hat kein Geld für ein Flugticket nach Istanbul zurückgelegt. Wir haben uns gut unterhalten. Ich merkte, er wäre unserer Einladung auf das Empire State-Building gern gefolgt, meldete sich am Morgen dann aber doch per sms krank. An einem der Weihnachtstage haben wir uns morgens auf dem Times Square mit Daniela und ihrem Freund Illario getroffen und Pancake gegessen. Alex und Daniela kennen sich aus der Zeit, als Alex zum Praktikum in Mailand war. Sie hat Alex auf Parties mitgenommen. Nun hofft sie bald schwanger zu werden. Ich habe ihr davon erzählt, wie sehr ich damals auf eine Schwangerschaft fixiert war - und wie schnell es geklappt hat, als ich diese Fixierung verloren hatte. In New York waren sie nur auf der Durchreise für zwei Tage, bevor sie zu Danielas amerikanischen Gasteltern aus dem US-Austausch-Jahr weiter gereist sind. Die Welt ist ein Dorf!  Und mein Adler-Mädchen hat einen Platz darin gefunden :o))! Nur nicht hier, bitte. Ich wünsche mir, dass sie nicht in den USA bleiben möchte irgendwann.  

Sooo unterschiedlich ist das Bild einer Gesellschaft gar nicht, wie es Moskau und New York (auch St. Petersburg) vermitteln - es scheint mir hier wie da “die einen” und “die anderen” zu geben. Und - sie begegnen sich wohl kaum. Zwischen ihnen werden Welten liegen - von der Kluft dazwischen hat man nur eine vage Ahnung. Alex und ich haben uns oft darauf aufmerksam gemacht, wie müde und verbraucht die Menschen in der Stadt auf uns wirken. Das Leben ist hier mühsamer, als ich es von Deutschland kenne. Deutschland erlebe ich anders … ich bin sehr froh mir keine Gedanken darüber machen zu müssen, auf welcher Seite einer solchen Gesellschaft ich selbst mich wieder finden würde. 

War ich im strahlenden Winter angekommen, wechselte das Wetter nach ein paar Tagen ins neblige, dann regnerische … an den letzten Tagen hatten wir Frühling in New York. Mein Flieger hatte wg. des Winterwetters schon auf dem Fluf nach Europa ziemliche Verspätung. Alex war vor dem Weihnachtsfest mit dem ChinaTown-Bus aus Washington angereist und hat am ersten Tag im Hotel auf mich gewartet. Bei meiner Landung habe ich New York und Manhattan bei einem winterlichen Sonnenuntergang erlebt :o). Da mein Flieger erst später am Abend wieder nach Europa fliegen sollte, habe ich Alex am letzten Tag mitten in Manhattan bis zum Bus “nachhause” begleitet und ihr lange nachgewunken. Geweint habe ich nicht - ich weiss sie gut aufgehoben mit sich und der Welt, bin sehr stolz darauf, wie sie sich ihr Leben und ihr Studium einrichtet … und ich darf ja im Mai wieder dabei sein, wenn sie ihr Diplom verliehen bekommt. 

Na ja, und dann stand ich plötzlich in New York. So ganz allein. Zum Glück waren meine Koffer handlich. Stand da inmitten dieser Tausenden von Menschen.Und es war normal so! Normal, sich am anderen Teil der Welt wieder zu finden und gerade sein Kind in den Bus gesetzt zu haben. Normal, das Handy zu zücken, um dem Liebsten eine sms zu schicken. Normal, sich nach der nächsten Bahnhof mit Anschluss zum Flughafen umzusehen. Normal, sich auf den Weg zu machen, bei der Ausreise für einen Sondertest ausgelost zu werden, sich auf den Weg ins Dunkel zu machen … diesmal mit dem Erdwind und deshalb deutlich schneller als auf dem Hinflug :o) Auf dem Weg nach Detroit im vergangenen Sommer hatte unsere Flugroute uns noch kurz an den Eisbergen Grönlands vorbei geführt. Diesmal führte die Route uns etwas südlicher über den Atlantik. Mir fällt dann immer ein, wie sie uns im Flugsicherungszentrum bei Darmstadt erzählt haben, dass es über dem Atlantik kein System zur Begleitung der Maschinen gibt: Die Leitstellen an der Küste Nordamerikas entlässt die Flieger in ihre Flugkorridore - erst über der irischen Küste wird man wieder eingefangen …   

In der Höhe von Hamburg haben wir wieder heimatlichen Boden unter den Tragflächen zu sehen bekommen. Über den Wolken war schon das Rot des Sonnenaufgangs zu sehen, die Städte unten am Boden lagen noch im Morgengrau und waren noch erleuchtet. Über der Wolkendecke zeichnete sich der Harz ab. 

In Berlin begrüßte mich richtig knackiger Winter. Ich war wieder zuhause.Fast drei Tage habe ich gebraucht, damit sich meine innere Uhr wieder auf den Rhythmus einstellen konnte :o)Gleich am ersten Tag noch habe ich die Bilder zum Entwickeln abgegeben. Nun liege ich abends auf der Couch und lasse diese Tage in New York Revue passieren …



Mein Jahresrückblick 2008

4. Januar 2009

In diesem Jahr gab es einigen Anlass zum Innehalten: Im Frühjahr habe ich Alexandra die Weißen Nächte und ein geschichtsträchtiges, wunderschönes St. Petersburg gezeigt.  Es war besonders berührend, nun schon in der dritten Generation hier Freunde zu besuchen. Im Herbst dann fand sich meine Abiturklasse zum 30. Jubiläum in ihrem Gymnasium ein. Fast alle waren gekommen und haben sich aus dieser Zeit Wärme und viel Humor bewahrt.  

Das Jahr war geprägt von Vielfältigen fachlichen und geschäftlichen Aktivitäten: Unsere Firma hat erstmals die 600.000 € Umsatzgrenze geschafft und drei Arbeitsplätze geschaffen - das Büro in Berlins Mitte entwickelt sich zu einer tollen Gemeinschaft.  Mein spezielles fachliches Thema läuft langsam an. Die Lehraufträge in MBA-Studiengängen machen mir großen Spaß und bringen mich mit interessanten Leuten zusammen. 

In 2008 war ich dienstlich sehr viel unterwegs. Ich erfahre dabei viel darüber, wie mein fachliches Thema in verschiedenen Branchen und Firmen aufgesetzt ist und gelebt wird. Das ist sehr spannend und lehrreich für mich. Im Herbst wurde ich in den Vorstand meines Vereins gewählt. Ich freue mich sehr darauf, die Arbeit in meinem Ressort systematisch weiter zu entwickeln.  

Das Leben in Berlin, Bücher und der Sport sind in diesem Jahr zu meinem großen Bedauern fast völlig „unter die Räder“ gekommen. Für Urlaub, Treffen mit Familie und Freunden blieb diesmal besonders wenig Zeit. Zum Glück haben sie – und die Katzen Felix & Fine - mir noch nicht die Freundschaft gekündigt.  

Es gab interessante, unverhoffte, überraschende, uralt vertraute, warmherzige und berührende Begegnungen und Entdeckungen in diesem Jahr. Es hat mich darin bestärkt, dass Vertrauen, Freundschaft, Liebe sich oft in den kleinen Dingen zeigen … und sich d a r a u s Glück nährt. 

Das Weihnachtsfest wird diesmal ein ganz besonderes – ich fliege nach New York und treffe mich mit Alexandra, die noch bis Mai in den USA studiert. Wir wollen nachschauen, ob es dort wirklich so aussieht wie im Film :o)) Wir wollen nach dem Weihnachtsmann suchen, uns von den vielen Lichtern dieser Stadt verzaubern lassen … Wir wollen einfach nur Zeit miteinander geniessen und schwatzen. 

Ich bedanke mich bei allen Kollegen, meinen Freundinnen und Freunden, meiner „Sippe“ für ein tolles Jahr! Ein herzliches, warmes Weihnachtsfest und Alles Gute für 2009 wünscht - Tanja