Zwei Quartale im Hamsterrad
Diese ersten beiden Quartale des Jahres 2009 - Es sind verrückte Monate in meinem Leben.Wo soll ich anfangen? Eigentlich war schon der Dezember verrückt: So voller Arbeit erst einmal, dann voller Leidenschaft und Aufregung in meinem Verhältnis zu Mischa. Der Ring bei unserem letzten Treffen vor Weihnachten und meiner Abreise nach Amerika. Die Tage mit Alex in New York … Silvester allein mit meinen Katzen.
Ich wollte es ruhig angehen lassen im Januar, aber dann der Schwelbrand.Es folgten viel Wochen Obdachlosigkeit und Rastlosigkeit, Zerrissenheit. Seit Ostern nun diese Wohnung über den Dächern von Berlin! Bis Mitte Mai ist es nicht mehr als Camping in den eigenen vier Wänden. Die Nebengelasse der alten Wohnung warten auch noch darauf, ausgeraeumt zu werden. Irgendwo zwischen den Kisten findet mein 49. Geburtstag statt. Mit einem Überraschungs-Geschenk :o)Â
Mischa und ich über „Miteinander leben“. Seine Frau und seine Töchter wissen jetzt, dass es da eine andere Frau gibt. Ich finde das sehr mutig. Er meint es ernst. Warum auch nicht, könnte man fragen, denn wir sind nun schon fast ein Jahr lang ein Paar.Aber wie viele Fälle gibt es, wo ein solches „Paar sein“ keine neue Qualität erhält, erhalten soll. Immer wieder fällt mir dann M. ein, die ganze fünf Jahre ihr Verhältnis gelegt hat – bis er nach seiner OP nun in den Unternehmer-Ruhestand geht. Die Reisen fallen weg – und damit die Rahmen für ihr Verhältnis. Ich denke oft an M. in Hamburg.Mischa und ich - Es ist wohl noch ein langer Weg, der da vor uns liegt. Ich empfinde seine Nähe als natürlich. Es fühlt sich ganz natürlich an, wenn ich ihn meinem Bruder vorstelle, wenn wir uns mit Freunden treffen.  Manchmal macht es mich traurig, dass ich so voller Widersprüche bin, was ihn und mich – vor allem unsere Zukunft – angeht. Es fühlt sich RICHTIG an, wie wir zusammen sind. Unaufgeregt, spannend, lustig, leise, sehr nah. Wie wir uns versorgen, versuchen uns und unsere Bedürfnisse zu sehen.Â
Manchmal brauche ich Luft - Manchmal zerreist es mich fast, wenn er nicht da ist. Und doch bleibt da ganz tief drinnen in mir der Verdacht, ich könnte mir unsere Beziehung „gut reden“. Weil ich so lange allein war? Weil ich Torschlusspanik fühle? Weil er mir gut tut! Weil zu zweit sein auch Sicherheit bedeutet? Weil ich Erfüllung ziehe aus unserem Miteinander! Weil ich dies nicht allein aus mir selbst heraus schaffe? Wenn ich nur ein Gefühl für meine echten Bedürfnisse hätte!! Ich traue mir selbst nicht. Und das in meinem Alter!!! Er hat inzwischen ein kleines Ritual darauf gemacht, mich zu fragen ob ich mit ihm leben will. In all dem Auf und Ab tut mir dieses Ritual sehr gut. Die letzten Wochen hat mich meine Kraft verlassen. Dann kam noch eine schlimme Ekältung hinzu. Meine Arbeit im Vorstand ist fast zum Erliegen gekommen. Überall liegt alles herum – dienstlich wie privat. Es dauert schon Wochen sich nach und nach einzurichten. Die bestellten Geräte und Baumaterialien rudeln erst gemächlich ein. An allen Ecken und Enden fehlt mir ein Handwerker mit Hausmeister- Qualitäten!! Das Geld rinnt durch die Finger! Gerade einmal die nötigsten Dinge erledige ich – die laufenden Jobs sind vor - und nachzubereiten. Vom halbwegs vertretbaren Bestreiten der Termine mal ganz abgesehen :o) Ein paar strategische Dinge waren zu erledigen: Die Beteiligung an einer Ausschreibung in München. Die Bewerbung um eine Professur. Ich weiß, dass ich den Zuschlag nicht erhalten werde. Aber: Es ist so wichtig, solche Dinge zu TRAINIEREN! Einfach, um für den Fall der Fälle aus dem Stand heraus fit zu sein.Â
Dann passiert es tatsächlich. Morgens im Zug nach Hamburg klingelt das Handy. Ich hatte gehofft, Mischa würde anrufen und bin eigentlich traurig. Eine Berliner Festnetznummer, so früh am Morgen? DAS passiert - SO EIN MOMENT. Ein Kollege, wie ich damals ausgeschieden, hat mich im Internet gesucht und will mich einbeziehen in eine Ausschreibung zu meinem Fachthema. Ich bin freundlich interessiert, bedanke mich artig für die aufschlussreichen Details zu den Erwartungen an ein Angebot. Danach geht der Puls!!! Von einem Moment auf den anderen ist mir heiß! Wenn ich diese Ausschreibung gewinnen sollte, wäre das ein echter Durchbruch. Darauf hatte ich doch gehofft!!!! Nun steht auch diese Arbeit an in den nächsten Tagen. Auf den Punkt genau fit sein … es macht Spaß. Und es kostet zunehmend Kraft. Zwei Quartale, ein Halbjahr: Viel Aufregung – fast immer existenziell. Viel Arbeit; fast mehr als ich verkraften kann. Mit den Aktienfonds viel Geld aus den Abfindungen eingebüsst. Eine neue Wohnung eingerichtet und auch dabei viel Geld verloren. Die Liste dessen, was nach dem Brand nun doch nicht mehr zu retten sind, wird immer länger. Â
Zwei Quartale, ein Halbjahr: Abgebrannt, ein neues Zuhause gefunden und dies genießen lernen. Dienstlich immer noch und schon wieder gefragt und nachgefragt zu sein.Die Scheidung auf den Weg gebracht … im 25. Ehe-Jahr. Nun ist auch noch der Laptop kaputt und damit meine Arbeitsgrundlage dahin. Schnell in den Wellness-Urlaub mit dem Laptop – ich setze mich derweil nach Amerika ab. Alex erhält ihr Diplom. Danach wieder viel Arbeit - Mit etwas Glück erreiche ich zur Jahresmitte den gesamten Vorjahres(!!)umsatz.  Mit dem Liebsten inzwischen „tageweise“ Mit-einander-Leben üben :o).
Bald auch die Tochter wieder in Europa.  Zwei Quartale Leben im Hamsterrad – mit glücklichem Ausgang?!
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Freitag, den 8. Mai 2009 um 14:23 Uhr

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