Noch verliebt?
Hallo Manuela, ich bin noch damit beschäftigt, den Schock mit meiner Wohnung zu verarbeiten (zu verdrängen?). Ja, Ich bin noch verliebt. Aber es ist schwer …
Mischa will sich von seiner Frau trennen. Das ist die EINE Seite. Ich bin nicht der Grund, aber der Auslöser. Die ANDERE Seite: Ich konnte – seit Ende Mai vergangenen Jahres - bisher ganz gut damit leben, dass wir es einfach mal auf uns wirken lassen, was uns da passiert miteinander. Mischa nutzt nun schon ein dreiviertel Jahr alle Möglichkeiten, eine Dienstreise zu machen. Ich reise ihm „dazu“. Wenn er mit Kollegen unterwegs ist, können wir nicht einmal zusammen frühstücken oder im Restaurant essen. Dann vertreibe ich mir das Warten mit meinem Laptop am Schreibtisch oder mit Fernsehen. Wenn gar keine Dienstreisen passen, fahre ich extra in seine Stadt und buche mich für eine Nacht in ein Hotel ein, damit wir am Vormittag einen Raum haben für unsere Treffen. Das sind sehr schöne, weil ruhige und intensive Treffen. Aber ich fühle mich manchmal schon als „CallGirl - mit kleinem Handgepäck“.
Das ist manchmal auch ein finanzieller Faktor. Zum Glück ist das Reisen selbst kostenlos, da ich mir ja dienstlich eine Bahncard 100 leiste. Das Problem sind dann für mich eher die langen Fahrzeiten zu unseren Treffen, die ich nur bedingt mit meinen eigenen Arbeiten im Zug nutzen kann und möchte. Â
Mischa tut alles um sein bisheriges Leben fortzusetzen, ohne dass jemand etwas merkt. Dienstliches Engagement zzgl. Familienwochenenden, zeitlich aufwendige Unterstützung für den Lehrerjob seiner Frau, Feiern und Ferien. Mal ist es das, dann das, dann das. Er ist dadurch sehr ausgepowert und holt sich die Kraft und das Lachen bei mir. Er kommt unendlich berührend zur Ruhe, wenn wir zusammen sind. ABER: Somit „stabilisiere ich sein System“.
Meine dienstlichen und emotionalen Anstrengungen als Selbständige powert mich aber selbst auch sehr aus. Und er kann eben nicht da sein, wenn ich ihn auch einmal brauche, unsere Liebe leben und genießen möchte. Das kann nicht sein! Â
Wir finden unendlich viele dienstliche, kulturelle und emotionale Themen. Es ist spannend mit ihm, belebend, berührend, lustig & nachdenklich. Einfach wunderschön. Wenn wir denn zusammen sind, ist Mischa sehr aufmerksam, massiert und krault mich stundenlang … ein Traum :o)) Aber es fällt mir inzwischen zunehmend schwer mich fallen zu lassen und selbst aus unseren Treffen Kraft zu schöpfen – wir können ja immer nur „in den Lücken“ passieren, die seine Arbeit und die Anforderungen seiner Frau in seinem Leben lassen. Ich möchte authentisch leben.Â
Es geht nicht mehr lange gut für mich, wenn er nicht bald Farbe bekennt – für sich selbst auch. Es geht mir nicht darum, als die neue Frau an seiner Seite leben zu wollen. Solche Schritte müssen ja nicht gleich ein Paukenschlag an allen Fronten bedeuten. Aber Akzente braucht es langsam! Wie kann man so ein (neues) Leben führen und gleichzeitig abends nicht einschlafen können, solange die eigene Frau nicht im Schlafzimmerbett liegt. Auch wenn es nur um diese Routine geht (was ich ihm glaube). Und viele andere verständlich-unverständliche Dinge ….
Ich habe das Gefühl, dass diese „Zwischenwelt“ und ihre Verlogenheit unsere Liebe auffrisst. Ich habe Angst, ihm irgendwann nur noch ein Freund sein zu können / zu wollen. Noch viel schwerwiegend ist für mich, dass ich meine Lebenszeit damit verlieren sein System zu stabilisieren. Ich bin ihm ein verlässlicher Fluchtbegleiter aus seinem bisherigen Leben, was ihn insgesamt sehr bedrückt und unglücklich sein lässt. Â
Und ich? Ich erbringe quasi emotionale (und andere :o)) Leistungen dafür, dass er mich – hoffentlich, vielleicht, eventuell – einmal lieben wird und sich dazu, zu uns, zu mir bekennt. Das habe ich bereits bei N. zwanzig lange Jahre lang gemacht. Letztlich erfolglos.Â
Das Gute ist, dass ich diese Sicht der Dinge und meine Ängste bei Mischa manchmal ansprechen kann. Er hat sich inzwischen auch einen Psychologen (eine Dame in den Fünfzigern) gesucht, mit der er viele Fragen ansprechen und besprechen kann, die ihn lange-lange vor uns in seinem Selbstverständnis, seinem Lebenstraum und seiner Ehe geprägt haben.  Er ist da auf einem Weg zu sich selbst … Aber ich fürchte, die Zeit läuft uns davon. Und mit ihr vielleicht das Gefühl, die Liebe und ihr Zauber.
Ich wünsche mir so sehr, dass wir es schaffen!!Â
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Samstag, den 7. Februar 2009 um 14:57 Uhr

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